Porsche Die Erfolgs-Story des Wendelin Wiedeking

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat jeden Grund, stolz auf seine Managementleistung zu sein. Zu Beginn seiner Amtszeit steckte der Sportwagenhersteller in einer tiefen Krise. Jetzt konnte der 52-Jährige einen Rekordgewinn präsentieren - und der Konkurrenz ein paar Seitenhiebe versetzen.


Porsche-Chef Wiedeking: Zehn Jahre lang einen Rekordgewinn nach dem anderen
DPA

Porsche-Chef Wiedeking: Zehn Jahre lang einen Rekordgewinn nach dem anderen

Stuttgart - "Einmal mehr operiert Porsche weit profitabler als alle andere Automobilhersteller weltweit", flocht er in seine Rede ein. Sicherlich mit Blick auf das Jahr 1992, als es Porsche Chart zeigen mit hohen Verlusten miserabel ging und damals selbst Japaner öffentlich um das Unternehmen feilschten.

Aber dann kam Wiedeking und "stellte Porsche völlig neu" auf, wie er nebenbei anmerkte. "Im nunmehr zehnten Jahr in Folge konnte Porsche einen Gewinnanstieg verbuchen", sagte er stolz. Konkret in Zahlen ausgedrückt heißt das: 1,08 Milliarden Euro. "Eine derartige Kontinuität im Positiven besitzt gewiss Seltenheitswert." Und mit Blick auf seine Kollegen in der Automobilindustrie meinte er: "Unsinnige Rabattschlachten, die wir ganz bewusst nicht mitmachen, haben vielfach zu einer Erosion der Erträge geführt."

Während andere Automobilhersteller weltweit in der Konjunktur ein Hemmnis für den Absatz sehen, spricht Wiedeking von einem weiterhin hochprofitablen Geschäft. Der Erfolg sei schon in den letzten Jahren "weniger konjunktur- als produktgetrieben" gewesen. Und immer wieder stellt der Porsche-Chef den Geländewagen Cayenne heraus, der Porsches Wohlstand und Wachstum mehrt. Inzwischen stellen die Stuttgarter Sportwagenbauer mehr Geländewagen her als klassische Sportwagen. Im vergangenen Geschäftsjahr verkaufte Porsche 39.913 Cayenne-Geländewagen, aber nur noch 23.704 Sportwagen des Typs 911 und 12 988 Boxster. Aber eine Gefahr für das Sportwagenimage des Unternehmens sei das keineswegs.

Fotostrecke

5  Bilder
Porsche-Modelle: Die Milliarden-Renner

Der Cayenne war nicht ohne Risiko. Schließlich stellt ein Geländewagen einen Bruch mit den traditionellen Modellen 911 oder Boxter dar. "Wie erfolgreich uns als traditionsreichem Sportwagenhersteller dieser Spagat gelungen ist, das ist schon bemerkenswert", sagt Wiedeking. Porsche könnte sogar viel mehr Geländewagen verkaufen. Die Kapazitätsgrenze von 40.000 Einheiten in Leipzig ist längst erreicht. Trotzdem lässt Porsche die Kundschaft lieber länger warten, als zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Die Wertigkeit des Wagens könne auf diese Weise gesichert werden, heißt es.

Doch nun steht Porsche vor einer neuen riesigen Herausforderung. Bis Mitte nächsten Jahres soll über eine neue Baureihe entschieden werden. Wird es ein Viersitzer oder doch wieder ein klassischer Sportwagen? Spekuliert wird über einen 200.000 Euro teueren Viersitzer der Luxusklasse. Gebaut werden sollen auch künftig alle Wagen in Deutschland. Wiedeking setzt auf den heimischen Produktionsstandort, Dollar-Kurs hin, Euro-Kurs her. "Made in Germany" sei für Porsche, insbesondere in den USA, wo 41 Prozent der Wagen verkauft werden, außerordentlich wichtig.

Bisher ist Porsche ein kleiner aber sehr erfolgreicher Sportwagenbauer. In zwei bis drei Jahren sollen aber schon mehr als 100.000 Wagen pro Jahr von den Bändern rollen. Insider und Analysten fragen sich deshab schon heute, wie will Porsche bei dieser Stückzahl seine bisherige Exklusivität behalten.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.