Porsche-Hauptversammlung Wiedeking kämpft um Plazet für VW-Einstieg

Porsche hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres wieder einmal glänzende Geschäfte gemacht. Doch das war auf der heutigen Hauptversammlung nur ein Thema am Rande. Die Tagesordnung wird vielmehr von der Diskussion um den Einstieg bei Volkswagen bestimmt.


Stuttgart - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verteidigte den Einstieg beim Volkswagen-Konzern mit großem Engagement. "Wir haben mit dem VW-Engagement eine äußerst wichtige strategische Entscheidung getroffen. Wir sind überzeugt, dass diese Entscheidung uns und Ihnen einen großen Nutzen bringen wird", sagte Wendelin Wiedeking heute auf der Hauptversammlung zu den Aktionären.

Porsche-Chef Wiedeking: Scharfe Angriffe gegen Finanzinvestoren
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Porsche-Chef Wiedeking: Scharfe Angriffe gegen Finanzinvestoren

"An diesem Geschäftsmodell wollen wir festhalten, damit wir morgen auch Erträge erwirtschaften, die es uns erlauben, unser Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren", sagte der Manager. Die Beteiligung an Volkwagen werde dabei eine Schlüsselrolle spielen. Ohne die Fortführung der erfolgreichen Kooperation wäre das Geschäftsmodell zumindest langfristig gefährdet, warnte Wiedeking.

Porsche hält seit Oktober offiziell 18,53 Prozent der VW-Stammaktien und hat sich eine Option über weitere 3,4 Prozent gesichert. Dieses Investment beziffert das Unternehmen mit rund 3,5 Milliarden Euro. Das Land Niedersachsen ist mit einem Anteil von 18,2 Prozent nur noch zweitgrößter Anteilseigner. Mit dem Einstieg bei VW strebt Porsche eine intensivere Zusammenarbeit an und erhofft sich erhebliche Skaleneffekte. "Mittelfristig wollen wir aus unserem Investment eine zusätzlichen jährlichen Nutzen generieren, der sich mindestens auf einen dreistelligen Millionen-Betrag beläuft", bekräftigte Wiedeking frühere Aussagen.

Gewaltige Einsparpotenziale

Auf Produktionsebene sehe er gemeinsam mit Volkswagen die größten Einsparpotenziale im Bereich Technologie und Entwicklung. Dies betreffe die Nachfolgermodelle der Geländewagen Cayenne und Touareg, die sich eine gemeinsame Plattform teilen. Zudem entwickeln die Unternehmen einen Hybridantrieb und wollen bei Elektronikkomponenten und -plattformen zusammenarbeiten. Geld sparen will Wiedeking auch durch den gemeinsamen Einkauf.

Der Manager räumte ein, dass derartige Kooperationen auch ohne finanzielle Beteiligung möglich sind. Er befürchtet aber, dass die zu erwartende Aufhebung des VW-Gesetzes zu einer feindlichen Übernahme von Volkswagen durch Investoren führen könnte, wodurch die langfristige Zusammenarbeit mit Porsche gefährdet werden könnte. Das aber hätte auch negative Auswirkungen für das Geschäftsmodell von Porsche. "Ohne Beteiligung wäre das Risiko für uns existenziell gewesen", so Wiedeking.

Im laufenden Geschäftsjahr 2005/06 erwartet der Vorstandsvorsitzende einen Absatz von deutlich mehr als 90.000 Autos. Im vergangenen Jahr hatten die Stuttgarter 88.379 Einheiten verkauft. Entsprechend soll der Umsatz zulegen. Was den Gewinn betrifft, versuchte Wiedeking die hohen Erwartungen zu dämpfen. Die "enormen Entwicklungsaufwendungen" für den neuen Sportwagen Panamera und den Hybrid-Antrieb für den Cayenne müssten berücksichtigt werden. Das viersitzige Coupe Panamera soll 2009 auf den Markt kommen. "Gleichwohl wollen wir alles dran setzen, auch im laufenden Geschäftsjahr eine hohe Ertragskraft sicherzustellen", so Wiedeking.

Wiedeking greift Finanzinvestoren an

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Porsche den Umsatz um 6,9 Prozent auf 6,57 Milliarden Euro und den Vorsteuergewinn um 8,9 Prozent auf 1,238 Milliarden Euro gesteigert. Zum ersten Mal war der Jahresabschluss nach den Internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS aufgestellt worden.

Mit Ingrimm wandte sich Wiedeking gegen Finanzinvestoren, die zuvor ihr Unverständnis über die Beteiligung an VW geäußert hatten. "Die Diskussion hat mich wieder einmal in meiner Auffassung bestätigt, dass der Kapitalmarkt nicht die Phantasie entwickeln kann, was aus diesem Investment werden soll". Sowohl Wettbewerber, Scheichtümer, Investmenthäuser als auch Pensions- und Hegdefonds hätten Interessen, die nichts mit VW und zu einem überwiegenden Teil noch nicht einmal mit dem Automobil zu tun hätten.

Reine Profitorientierung sei aber nicht alles, wenn man seine Rolle in der Gesellschaft und damit seine Existenz auf festen Boden stellen wolle. Es komme nicht von ungefähr, dass der Begriff "Heuschrecken" solchen Widerhall in der Gesellschaft finde, wenn Finanzinvestoren und große Unternehmen in einem Atemzug verkündeten, Milliarden zu verdienen und gleichzeitig tausende Arbeitsplätzen streichen zu wollen, sagte Wiedeking. Auch der Einstieg bei Volkswagen, sei von diesem Verantwortungsgefühl für Deutschland geleitet.

Die Aktie des Unternehmens zog am Morgen bis gegen 10.00 Uhr um 2,63 Prozent auf 646,86 Euro an.



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