Porsche-VW-Streit Petrodollars sollen deutsche Autoindustrie retten

Porsche und Volkswagen zoffen sich immer heftiger, freuen dürfte sich am Ende ein Dritter: Das Emirat Katar wird künftig großen Einfluss auf die deutsche Autoindustrie haben - egal ob in Stuttgart oder Wolfsburg. Doch welche Ziele verfolgt der Golfstaat eigentlich?

Hamburg - Seit Wochen stehen die Telefone nicht mehr still. Doha-Zuffenhausen, Doha-Wolfsburg, Doha-Hannover - Vertreter aus der Hauptstadt Katars sind bei deutschen Automanagern begehrte Gesprächspartner. Es geht um ein Mammutprojekt: den Einstieg des kleinen Golfstaates in die deutsche Autoindustrie.

Ob es am Ende eine Beteiligung an Porsche   oder Volkswagen   sein wird - die endgültige Entscheidung steht noch aus. Doch während Volkswagen und Porsche fast täglich ihre eigenen Interessen kundtun, hüllt sich der Hauptbeteiligte Katar in Schweigen, macht sich damit zugleich interessanter und provoziert die Frage: Was will das Land eigentlich?

Auch wenn man wenig über die Absichten des Emirats weiß, fest steht: Der Zwergstaat, etwa so klein wie Mecklenburg-Vorpommern und mit nur rund 250.000 Einwohnern, ist derzeit auf großer Einkaufstour in Europa. Besonderes Interesse gilt dabei Deutschland. Das arabische Land will sich, wie viele andere Golfstaaten auch, langfristig von der Ölförderung unabhängig machen - mit westlichem Know-how und westlichen Schlüsselindustrien.

Beim Kauf von ausländischen Firmen oder Unternehmensanteilen verfolgt Katar zwei Ziele, sagt Martin Böll, Dubai-Korrespondent von Germany Trade & Invest. Die Gesellschaft berät ausländische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit auf den deutschen Markt ausdehnen wollen. "Zum einen geht es darum, überschüssiges Kapital anzulegen sowie Einnahmen langfristig zu sichern und zu diversifizieren", erklärt der Experte. "Andererseits will Katar auch Know-how für die einheimische Wirtschaft und über diese Schiene Arbeitsplätze beschaffen."

"Katar weiß gar nicht, wohin mit dem Geld"

Bei seinen Käufen ist Staatschef Emir Hamad Bin Chalifa al-Thani allerdings sehr wählerisch. So schielt er auf dem Automarkt, insbesondere auf die großen, glitzernden und teuren Namen, die in der arabischen Welt besonders gut ankommen. Dass Porsche und Volkswagen dabei in die engere Auswahl kamen, ist kein Zufall.

Geld spielt bei den Investitionen dagegen nur eine Nebenrolle. Denn darum muss sich der Emir, der dem Vernehmen nach drei Frauen und 15 Kinder hat, keine Sorgen machen. Sein Staatsfonds, die Qatar Investment Authority (QIA), hat Schätzungen zufolge weltweit rund 60 Milliarden Dollar angelegt. Jedes Jahr stehen dem Fonds weitere 20 Milliarden Dollar zur Verfügung, vermuten Experten.

"Das Land ist so reich, dass es gar nicht weiß, wohin mit dem Geld", sagt Experte Böll. Der Wohlstand stammt aus den riesigen Öl- und vor allem Gasvorkommen, auf denen das Emirat sitzt. So ist Katar in den vergangenen Jahren zu einem der größten Flüssiggas-Exporteure der Welt geworden. Die Gewinne daraus sind wiederum die bedeutendste Einnahmequelle des Staatsfonds.

An dessen Spitze sitzt Scheich Hamad Bin Dschassim Bin Dschabir al-Thani, Cousin des Emirs und zugleich Premier Katars. Er soll die Verhandlungen mit Porsche und Volkswagen in der Hand halten - und letztendlich auch entscheiden. Flankiert wird er dabei Presseberichten zufolge von der zweiten Ehefrau des Emirs, Musa. Die Soziologin ist seit 2003 Erziehungsministerin Katars. Zudem gilt die Autoliebhaberin als die rechte Hand des Emirs und als Strippenzieherin des geplanten Einstiegs bei Porsche/VW.

Doch allzu lange wird die Herrscherfamilie das gegenwärtige Hickhack in Wolfsburg, Hannover und Zuffenhausen vermutlich nicht mehr mitmachen. "Die gucken sich das keine drei Monate mehr mit an", sagte ein Insider SPIEGEL ONLINE. Denn fest steht: Die Katarer investieren nur, wenn Einvernehmen zwischen Porsche und Volkswagen besteht - und wenn sie explizit erwünscht sind.

Zwei Konzerne im Vergleich

Doch selbst wenn der Deal am Ende platzen sollte, sind Investitionen in Deutschland keineswegs ausgeschlossen. "Sie haben das Geld und sie wollen es anlegen, möglichst in Deutschland", sagte der Branchenkenner.

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