Positive Quartalszahlen Telekom begeistert die Börse

Der Sanierungskurs des Telekom-Chefs Kai-Uwe Ricke hat schneller durchgreifende Erfolge gezeitigt als von vielen erwartet. Statt des Milliardenverlusts im Vorjahresquartal bleibt nach den ersten drei Monaten 2003 sogar ein Gewinn übrig.


Kai-Uwe Ricke: Die Umsätze steigen wieder, die Schulden sollen Ende 2003 auf 50 Milliarden gesunken sein
DPA

Kai-Uwe Ricke: Die Umsätze steigen wieder, die Schulden sollen Ende 2003 auf 50 Milliarden gesunken sein

Bonn - Nach dem erfreulichen Quartal peilt Ricke auch für das gesamte Jahr schwarze Zahlen an - oder zumindest eine schwarze Null. Denn dass die Konjunktur die Kalkulation des Bonner Konzerns noch durcheinander bringen könnte, will der Vorstandschef nicht ausschließen. Bei der Hauptversammlung am kommenden Dienstag wolle er aber genauer sagen, wo die Reise hingeht, versprach Ricke. An der Börse legte die T-Aktie bis Mittags um 3,75 Prozent auf 12,18 Euro zu. Sie führte damit die Gewinner im Dax an.

Die Zahlen im Detail: Nach einem Defizit von 1,8 Milliarden Euro im ersten Vierteljahr 2002 erzielte die Telekom nun einen Quartalsgewinn von 853 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereinflüsse durch Beteiligungsverkäufe und positive Steuereffekte lag der Überschuss noch bei 100 Millionen Euro.

"Unsere Ziele übertroffen"

Trotz der konjunkturellen Krise stieg der Umsatz um 6,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibugen (Ebitda) legte, von Sondereinflüssen bereinigt, um 18,4 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro zu. Seit Ende 2002 ist die Nettoverschuldung um 4,8 Milliarden auf 56,3 Milliarden Euro gesunken. Dazu beigetragen haben Verkäufe von Vermögenswerten im Wert von 2,3 Milliarden Euro und ein Bargeldzufluss von zwei Milliarden Euro.

Bis zum Jahresende sollen die Schulden auf rund 50 Milliarden Euro gedrückt werden, verspricht Ricke. Die Zahlen zeigen seiner Meinung nach, dass die Telekom die Wende eingeleitet habe. "Bei der Entschuldung und dem Nettogewinn haben wir unsere Ziele übertroffen." Die Telekom gewinne ihre finanzielle und strategische Flexibilität wieder zurück.

USA: Fast eine Million neue Mobilfunkkunden

Alle Abteilungen trugen nach den Worten Rickes zum besseren Ergebnis bei. Das Verhältnis zwischen Umsätzen und Kosten sei durch das laufende Effizienzsteigerungsprogramm bereits deutlich verbessert worden. So trägt bei der T-Com, dem Telefonfestnetz, der Abbau von mindestens 15.000 Stellen bis Jahresende entscheidend zur Kostensenkung bei. Auch das Sorgenkind T-Systems konnte nach diesen Angaben trotz des schwachen Marktes Umsatz und Profitabilität steigern. Ricke kündigte zur Kostensenkung den Abbau von 9 der 21 Rechenzentren an.

Wachstumsbringer war erneut T-Mobile. Die Division legte beim Umsatz um 18,9 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu, beim Ebitda sogar um 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. In den USA konnte T-Mobile sein Ebitda auf 323 Millionen Euro mehr als verdreifachen. T-Mobile USA wuchs nach den Worten von Ricke um mehr als 900.000 Neukunden und hat zum nächstgrößeren Wettbewerber nur noch einen Abstand von 300.000 Kunden.

Image-Probleme bestehen fort

Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kündigte weitere Verkäufe vor allem von Immobilien zur Schuldentilgung an. Allerdings könne das Unternehmen durch die guten Erfolge zum Jahresbeginn die Möglichkeiten nun etwas kritischer unter die Lupe nehmen. Der Preis müsse stimmen, sagte Eick. Keinerlei Pläne gebe es für einen Verkauf der Beteiligung an der ungarischen Matav oder von weiteren Anteilen an T-Online. Außerdem gibt die Telekom nach den Worten Eicks den Plan auf, ihr Funkturmgeschäft zu verkaufen, da dies wegen der damit verbundenen Aufdeckung stiller Reserven erhebliche Steuerbelastungen zur Folge hätte. Ob die Tochter DeTeMedien verkauft wird, sei noch nicht entschieden.

Als Problem für das Image des Konzern bezeichnete Ricke die Klagen von Aktionären und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Falschbewertungen in Bilanzen und Börsenprospekten. Er versicherte aber: "Wir haben uns als Unternehmen nichts vorzuwerfen".



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