Post-Aktie Beinahe ein Fehlstart

Die Post-Aktie geht auf Krücken. Nach Einschätzung von Experten waren massive Stützungskäufe der Konsortialbanken nötig, um das Papier auf Kurs zu halten.


Aktie Gelb: Stützungskäufe?
DPA

Aktie Gelb: Stützungskäufe?

Frankfurt/Main - Die "Aktie Gelb" hat sich am ersten Handelstag gegen den Negativtrend an den Aktienmärkten behaupten können. Im Gegensatz zum DAX, der am Montagnachmittag mit 1,97 Prozent im Minus lag, bescherte die Postaktie den Anleger einen leichten Kursgewinn. Der erste Kurs in Frankfurt am Main lag um 1,9 Prozent über dem Ausgabepreis von 21 Euro, verlor kurzzeitig etwa zwei Prozent, um am späten Nachmittag auf 21,55 Euro zu steigen.

Nach Einschätzung von Analysten und Aktionärsschützern kam das Papier allerdings nur so glimpflich davon, weil Konsortialbanken mit massiven Stützungskäufen eingriffen hatten. Den eher verhaltenen Start der Postaktie führten sie auf den relativ hohen Ausgabepreis zurück. Sie sehen mittelfristig aber steigende Kursperspektiven.

Der Emissionspreis von 21 Euro sei angesichts des aktuellen Börsenumfeldes wohl zu optimistisch gewesen, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Auch bei der Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, hieß es, der Kurs sei angesichts des Ausgabepreises weitgehend ausgereizt gewesen. Die Dresdner Bank wies darauf hin, dass der Ausgabepreis eher am oberen Ende der Preisspanne 18 bis 23 Euro gelegen habe. Die mittelfristige Kursperspektive sei aber intakt. Innerhalb von sechs bis neun Monaten werde ein Kurs von 26 bis 27 Euro erwartet, sagte Analyst Chris-Oliver Schickentanz.

Post-Chef Klaus Zumwinkel und Bundesfinanzminister Hans Eichel zeigten sich dennoch zufrieden. Manch einer habe schon den berühmten Bären auf dem Vormarsch gesehen, sagte Zumwinkel. "Doch heute kann ich Ihnen sagen: Der Bulle steht vor der Tür - und seine Farbe ist Gelb." Angesichts des derzeit schwierigen Börsenumfelds wies er vor allem auf die achtfache Überzeichnung des Papiers hin. Auch Eichel sagte: "Der Start der Aktie Gelb ist gelungen." Die Milliardenerlöse aus dem größten Börsengang in Deutschland in diesem Jahr sollen nach Angaben Eichels der Postunterstützungskasse zu Gute kommen sowie zur Altschuldentilgung verwendet werden.

Zumwinkel kündigte an, das Unternehmen werde seine internationale Expansion fortsetzen. Für das laufende Jahr erwarte die Post einen Umsatz von etwa 30 bis 31 Milliarden Euro nach 22 Milliarden Euro (42,90 Milliarden Mark) im Vorjahr. Auch beim Ergebnis werde man gut zulegen.

Derzeit stammt ein großer Teil des Postgewinns allerdings aus dem monopolgeschützten Briefbereich. Zu einem Auslaufen des Monopols Ende 2002 sagte Eichel, man brauche europäischen Regeln. Er sei nicht dafür, dass Deutschland allein dastehe, sagte er mit Blick auf die bisher zögerliche Haltung Frankreichs und Großbritanniens. Eichel betonte, dass sich der Bund langfristig aus der Post zurückziehen werde. Einschließlich der Mehrzuteilungsoptionen trennt sich der Bund bei dem ersten Börsengang der Post von 29 Prozent des Aktienkapitals. Insgesamt hatten Anleger aus dem In- und Ausland 2,2 Milliarden Aktien geordert. Es wurden bis zu 320 Millionen Aktien angeboten.



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