Postbank, RAG, RWE Chefs werden ausgetauscht

An den Spitzen mehrerer deutscher Konzerne dreht sich das Personalkarussell. Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE muss einem Zeitungsbericht zufolge um seinen Job bangen. Die Amtskollegen von der Postbank und der RAG wollen angeblich zurücktreten.


Hamburg - Dem Vorstandsvorsitzenden des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE, Harry Roels, droht Ärger. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, will der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch Roels "dem Vernehmen nach" keinen neuen Fünfjahresvertrag anbieten. Bestenfalls sei eine zweijährige Verlängerung möglich, schreibt das Blatt.

Die Kritiker im Aufsichtsrat werfen Roels dem Blatt zufolge vor, sich nie über das erforderliche Mindestmaß hinaus in die Politik eingemischt zu haben. Dabei habe die Energiewirtschaft in den vergangenen Jahren unter Dauerbeschuss durch Verbraucherschützer, Kartellbehörden und Wettbewerbspolitiker gestanden. Zudem würden gerade jetzt auf internationaler und nationaler Ebene jene Regeln, Richtlinien und Gesetze beschlossen, die das Schicksal der Versorgerbranche für die nächsten 30 Jahre bestimmen dürften.

Außerdem würden finanzkräftige Energiekonzerne eine feindliche Übernahme der RWE durchrechnen, schreibt das Blatt weiter. Für die neue Phase, die nun für den Konzern beginnt, bedürfe es eines aggressiveren Managertyps und politischen Netzwerkers, sagt einer der Kritiker: "Roels hat strategisch zu wenig gebracht."

Unterdessen berichtet die "Rheinische Post" (Samstagausgabe) unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, dass Roels den Energiekonzern nach einer Vertragsverlängerung erneut umbauen will. Ins Visier genommen habe Roels vor allem die Netz- und Vertriebsgesellschaft RWE Energy. Sie solle sich künftig vor allem um den Service des Energiekonzerns kümmern. Welche der anderen Funktionen sie behalte, sei noch unklar. Ursprünglich habe ein Geheimplan unter dem Code-Namen "Tony" vorgesehen, das Netz des Unternehmens zu verkaufen. Davon habe RWE jedoch inzwischen Abstand genommen.

Wolfgang Klein bald neuer Chef der Postbank?

Auch bei der Postbank gibt es Bewegung: Das bisher für das Privatkundengeschäft zuständige Vorstandsmitglied Wolfgang Klein wird nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" neuer Chef der Postbank. Unter Berufung auf Finanzkreise meldete das Blatt, der amtierende Vorstandschef Wulf von Schimmelmann werde wahrscheinlich schon bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 16. März, spätestens aber im Mai seinen Rücktritt einreichen. Alles spreche dafür, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel diesen Rücktritt annehmen werde. Der Vertrag Schimmelmanns, der am Rosenmontag 60 Jahre alt wird, läuft eigentlich bis zum Jahr 2008. Ein Sprecher der Bank lehnte jeglichen Kommentar dazu ab.

Hinter der vorzeitigen Wachablösung stecken der Meldung zufolge offenbar keine internen Konflikte. Schimmelmann stelle das Amt auf dem Höhepunkt seines Erfolgs zur Verfügung. Er habe die ehemalige Staatsbank erfolgreich privatisiert, die heute im Dax-30 vertreten ist und rund 15 Millionen Kunden hat.

Werner Müller will angeblich RAG verlassen

Der Vorstandschef des Essener RAG-Konzerns, Werner Müller, 60, will noch zur Mitte dieses Jahres von seinem Posten zurücktreten, um den Vorsitz der künftigen Stiftungsgesellschaft zu übernehmen. Das berichtet die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung".

Die neue Stiftung soll nach ihrer Gründung die "weißen" Sparten der RAG (Degussa, Steag, Immobilien) an die Börse bringen und den Steinkohlenbergbau-Bereich verwalten. Nach dem Ausstiegsbeschluss von Bund und Ländern aus der deutschen Steinkohlenförderung für 2018 könne die Stiftung schon in wenigen Wochen gegründet werden. Die Stiftungsgesellschaft soll den Kohleausstieg abwickeln und Anteilseigner des neuen Konzerns werden, der nicht mehr RAG heißen soll.

In den Kreisen heiße es zudem, dass der Vorstandsvorsitzende der RAG-Chemietochter Degussa, Klaus Engel, gute Chancen habe, Müllers Nachfolge als RAG-Chef anzutreten. Der 51-Jährige habe ausgeprägte Kapitalmarkt- und Management-Erfahrung. Zudem genieße er das Vertrauen Müllers.

ffr/ddp/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.