Postdienstleister Springer entscheidet noch diese Woche über Pin AG

Der Axel Springer Verlag macht Druck: Statt bis zur endgültigen politischen Entscheidung über den Mindestlohn zu warten, will der Verlag noch in dieser Woche über das Schicksal seiner angeschlagenen Brieftochter Pin entscheiden.

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Hamburg - Die Bundesratsentscheidung über den Mindestlohn am 20. Dezember kommt Springer zu spät: Schon am Freitag will der Verlag über die Zukunft von Pin befinden, heißt es aus Kreisen der Axel-Springer-Gesellschafter. An diesem Tag entscheidet der Bundestag über das Mindestlohngesetz, doch selbst Springer rechnet nicht mehr mit einer politischen Kehrtwende. Dem Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern droht damit noch in dieser Woche die Insolvenz.

Mitarbeiter der Pin AG: Entscheidung über die Zukunft schon in drei Tagen
DPA

Mitarbeiter der Pin AG: Entscheidung über die Zukunft schon in drei Tagen

Bis zum Ende der Woche stelle der Verlag die notwendigen Finanzmittel noch zur Verfügung, um das Überleben von Pin kurzfristig zu sichern, heißt es. Darauf habe sich der Aufsichtsrat heute verständigt. Zwar werde Springer weiter darauf drängen, dass auch die Pin-Miteigner kurzfristig Geld nachschießen. Sollten diese allerdings nicht mitziehen, trage Springer die Finanzlast bis Freitag auch alleine. Gleichwohl versucht der Verlag, den Miteignern eine moralische Verantwortung zuzuschieben: "Wir werden Druck machen, dass man sich nicht ohne Weiteres aus der Verantwortung stehlen kann", heißt es im Konzern.

Der Springer Verlag, zu dem neben dem Flaggschiff "Bild" auch die Tageszeitung "Die Welt" gehört, hatte erst im Sommer für 510 Millionen Euro die Mehrheit an dem Briefdienstleister übernommen. In diesem Jahr wird mit einem Verlust von 55 Millionen Euro gerechnet. Nach der politischen Einigung auf einen Post-Mindestlohn hatte Pin umgehend angekündigt, rund 1000 Mitarbeiter zu entlassen.

An Pin sind neben Firmenchef Günter Thiel unter anderem auch die Verlage Holtzbrinck, WAZ, DuMont und Madsack beteiligt. Derzeit fehlen gut zehn Millionen Euro, um den Bestand des Unternehmens vorübergehend zu sichern. Bis heute Morgen hatte Springer sogar noch erwogen, nur dann noch einmal Geld in Pin zu investieren, wenn alle anderen Gesellschafter mitmachen.

Aus dem Kreis der Verlage heißt es dazu, man habe Springer auch am Wochenende nochmals eindeutig klargemacht, dass die Minderheitseigner den Berliner Verlag in der Finanzierungspflicht sehen. Man sei nicht bereit, einen Kredit zu geben, damit "Döpfner sein Gesicht wahren kann". Sehr wohl bereit sei man indes, eine Kapitalerhöhung mitzutragen, wenn für Pin ein belastbares Business-Modell erarbeitet und ein vernünftiges Management installiert werde. Der Versuch, von Minderheitsgesellschaftern weiteres Geld einzutreiben, sei "moralische Erpressung", wie ein Verlagsmann sagt.

Geld nachzuschießen sei bei den Minderheitseignern auch deshalb nicht mehr ohne weiteres möglich, weil Döpfner bereits eine Insolvenz in Aussicht gestellt habe. "Das wäre Untreue, dann noch Geld nachzulegen, obwohl man weiß, dass die Insolvenz kommt", sagt ein Manager.



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