Preiskampf Ölkonzerne fürchten Billigbenzin von Aldi

Aldi verkauft in Österreich neuerdings Billigbenzin. Über einen ähnlichen Vorstoß in Deutschland ist nichts bekannt - dennoch fürchten die Mineralölkonzerne hierzulande einen erbitterten Preiskampf. Nach Eröffnung des Spritdiscounters in Salzburg stürzten die Dieselpreise um 30 Cent ab.

Hamburg - Seit einigen Tagen können Autofahrer in Österreich bei Aldi tanken. Das Unternehmen Hofer, eine Tochter des Discounters, hat in Salzburg drei Stationen auf Parkplätzen des Unternehmens eröffnet - und leistet sich einen Preiskrieg mit etablierten Markentankstellen. Am Montag purzelte der Dieselpreis um mehr als 30 Cent, zeitweise gab es den Liter für knapp einen halben Euro.

In Deutschland schwankt der Preis für den Liter Diesel derzeit um 1,11 Euro. Entsprechend fuhren viele süddeutsche Autofahrer zum Tanken über die Grenze, vor den Zapfsäulen standen Billigbenzinjäger zum Teil kilometerlang Schlange.

Noch ist unklar, ob die Aldi-Attacke in Österreich ein Testballon für den deutschen Markt ist. Der Konzern selbst will entsprechende Fragen weder bestätigen noch dementieren.

Deutsche Mineralölkonzerne scheint der Vorstoß dennoch nervös zu machen - denn für kurze Zeit verkauften die Tankstellen ist Salzburg ihren Sprit sogar unter Einkaufspreis. Das ist zwar laut deutschem Wettbewerbsrecht verboten, doch es ist unsicher, ob dieses Verbot auch für Aldi gilt.

"Theoretisch könnte Aldi den Einstandspreis unterbieten, weil das Unternehmen im Raffineriegeschäft keine marktbeherrschende Stellung hat", sagte ein Sprecher vom Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti) der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Auch der Mineralölwirtschaftsverband MWV signalisiert Sorge.

Die Aldi-Tankstellen werden von dem Unternehmen Free Energy betrieben. Haupteigner ist der österreichische Autorennfahrer Markus Friesacher. "Wir wollen langfristig zwei bis drei Cent billiger sein als die Mineralölkonzerne", sagte er laut "SZ". Um trotz Dumping-Preisen Gewinn zu machen, spart sich Friesacher das Personal: An den Zapfsäulen wird mit Kredit- oder Geldkarte bezahlt.

Literpreise von 50 Cent kann sich damit aber auch Friesacher nicht leisten - und so normalisierten sich am Dienstagmittag in Salzburg die Spritpreise wieder.

Friesacher bot den Diesel dann für 87,7 Cent an, auch die Markentankstellen setzten die Preise wieder auf Normalniveau. Dennoch rief die Aktion die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde in Wien auf den Plan. Sie kündigte eine Untersuchung des Preiskriegs an.

ssu
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