Preisprognose "Liter Superbenzin bei 1,50 Euro"

Der Preis für einen Liter Superbenzin könnte kommende Woche auf bis zu 1,50 Euro steigen, sagen Experten. Den Grund sehen sie in den rasant kletternden Notierungen für Rohöl - heute wurde wieder ein Rekordhoch erreicht.


London/New York/Berlin - Der Ölpreis ist unter anderem wegen der hohen Benzinnachfrage in den USA auf ein Allzeithoch geklettert. Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit einer weiteren Verteuerung.

Zapfpistole: Rohöl verteuert sich derzeit nahezu täglich
DPA

Zapfpistole: Rohöl verteuert sich derzeit nahezu täglich

Der Preis für US-Öl zog am Nachmittag auf bis zu 75,78 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) und lag damit zeitweise 30 Cent über dem bisherigen Rekordhoch aus dieser Woche. Auch die führende Nordsee-Ölsorte Brent verteuerte sich auf ein Rekordhoch von 75,09 Dollar je Barrel. Der Korbpreis für elf Rohölsorten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erhöhte sich am Donnerstag um 82 Cent auf 68,74 Dollar je Barrel, wie die Opec am Freitag mitteilte. Der bisherige Höchststand war am 2. Mai mit 68,40 Dollar registriert worden.

Experten sehen mehrere Gründe für die gestiegenen Preise. Der Konflikt um das iranische Atomprogramm sei weiterhin ungelöst und die Förderung Nigerias sei wegen der dortigen Unruhen immer noch deutlich reduziert, teilte der Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) am Freitag. Hinzu kämen die Eskalation der Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen und die Raketentests Nordkoreas.

Andererseits habe die hohe Benzin-Nachfrage in den USA Preis treibend gewirkt und auch die Rohölpreise anziehen lassen. Ein US-Regierungsbericht hatte zuvor gezeigt, dass die Nachfrage nach Benzin in der größten Volkswirtschaft der Welt in den vergangenen vier Wochen um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen war. Marktbeobachter schließen daraus, dass die US-Bürger sich trotz hoher Spritkosten nicht vom Autofahren abhalten lassen. Die USA sind der größte Energieverbraucher der Welt. Seit Wochenbeginn läuft dort die sommerliche Urlaubssaison.

An den internationalen Märkten sind die Notierungen für Benzin in der ersten Juli-Woche mit über 770 Dollar pro Tonne auf den höchsten Stand seit Anfang September 2005 geklettert.

Ein Ende der Preissteigerungen bei Rohöl sehen Experten vorerst nicht. "Wenn es zu großen Hurrikanen kommt oder die geopolitischen Risiken zunehmen, könnten wir noch höhere Preise als bisher sehen", sagte Chefökonom Fatih Birol von der Internationalen Energieagentur (IEA).

Dünger für die Kurse

Für die derzeit hohen Preise sieht er derzeit drei Hauptgründe. Weltweit fehle es an Reservekapazitäten bei der Rohölproduktion, bei den Raffineriekapazitäten sehe es ebenfalls eng aus, und die globale Ölnachfrage steige weiter. Hinzu kämen die politischen Spannungen rund um wichtige Förderländer wie Iran, Nigeria, Venezuela und Irak, die "wie ein Dünger für die Kurse" seien.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass der Ölpreis bereits in der kommenden Woche die 80-Dollar-Marke je Barrel erreichen könnte. Dies würde den Preis für einen Liter Superbenzin auf rund 1,50 Euro treiben. Sollten sich die geopolitischen Unsicherheiten in Nordkorea und vor allem im Iran verschärfen, könnten die Preise sogar in Richtung 85 Dollar je Barrel klettern, hieß es am Freitag.

itz/mm.de/AP/ddp/dpa/Reuters



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