Preisrallye Euro, Öl, Diesel - überall neue Rekorde

Die Rekordjagd an den Rohstoffbörsen geht weiter. Rohöl der Sorte WTI kostete heute 96,44 Dollar je Fass - so viel wie nie zuvor. In Deutschland schnellte der Preis für Diesel auf 1,26 Euro, ebenfalls ein Höchststand. Gleichzeitig verteuerte sich auch der Euro wegen Sorgen um die US-Konjunktur.


Frankfurt am Main - Der Abwärtstrend beim Dollar scheint unaufhaltsam. Wegen Befürchtungen um die US-Konjunktur stieg der Euro heute auf ein Rekordhoch von 1,4556 Dollar - fast ein Cent mehr als am Vortag. Experten sehen nun auch die Marke von 1,50 Dollar nicht weit. "Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht ist", sagte ein Händler in Frankfurt.

Händler an der New Yorker Rohstoffbörse: "Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht"
REUTERS

Händler an der New Yorker Rohstoffbörse: "Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht"

An den Finanzmärkten machen bereits Spekulationen die Runde, wonach die US-Notenbank Fed im Dezember erneut die Zinsen senken könnte. Dies würde den Wechselkurs des Dollar weiter drücken - und den Euro steigen lassen. Für die Verbraucher in Europa hätte dies immerhin einen Vorteil: Rohöl, das in Dollar gehandelt wird, verbilligt sich - zumindest relativ gesehen. In absoluten Zahlen hingegen zieht der Ölpreis noch stärker an als der Eurokurs.

Rohöl der US-Sorte WTI kostete heute zweitweise 2,44 Dollar mehr als gestern. Bei 96,44 Dollar pro Fass wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Auch der Preis für die in Europa führende Nordseesorte Brent stieg um rund drei Prozent bis auf 93,10 Dollar - ebenfalls ein Rekord. Wegen der gesunkenen US-Vorräte befürchten manche Händler einen Versorgungsengpass im Winter.

Der Rohölmarkt sei derzeit so euphorisch, dass der Ölpreis auch über 100 Dollar steigen könnte, sagte Dora Borbély, Rohstoffexpertin bei der DekaBank. Die Marktreaktionen seien jedoch übertrieben. Die Ölbestände befänden sich trotz der jüngsten Rückgänge auf einem guten Niveau. Fundamental gerechtfertigt sei derzeit ein Ölpreis von 70 bis 75 Dollar je Barrel, der Ölpreis sei also um rund 20 Prozent überbewertet. Mittelfristig dürften die Preise deshalb eher fallen, schließlich werde ein eher milder Winter erwartet.

Kurzfristig hingegen droht neues Ungemach. So könnte ein aufziehender Sturm vor Norwegen die dortige Ölförderung beeinträchtigen. Der Ölkonzern ConocoPhillips erklärte heute, man erwäge wegen des schlechten Wetters die vorübergehende Schließung von fünf der 16 Förderplattformen im Öl- und Gasfeld Ekofisk. Es sei geplant, 600 der 1400 Öl-Arbeiter demnächst an Land zu bringen. Seine volle Kraft werde der Sturm wohl Donnerstagnacht entfalten.

Die hohen Rohölnotierungen treiben auch die Preise an den Zapfsäulen weiter nach oben. Dieselkraftstoff kostete in Deutschland heute so viel wie noch nie. Im bundesweiten Durchschnitt lag der Preis bei 1,26 Euro je Liter, sagten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg. Der Preis für Superbenzin lag erstmals seit mehreren Monaten wieder bei 1,40 je Liter. Das sind nur noch drei Cent weniger als das Jahreshoch, das vor einem halben Jahr zu Pfingsten erreicht wurde.

wal/Reuters/dpa-AFX

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