Preisrekord So profitieren Privatanleger vom Goldboom

An den Finanzmärkten herrscht nackte Panik - kein Wunder, dass Pessimisten Sicherheit suchen und sich mit Gold eindecken. Wer bessere Nerven hat, verkauft jetzt seine Goldbarren - und fährt einen dicken Gewinn ein.

Von Michael Soukup


Hamburg - Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten - das merkt man derzeit wieder deutlich. Mit seinem Rekordpreis von über 1000 Dollar die Feinunze ist der Höchstpreis aus dem Jahr 1980 in der vergangenen Woche bei weitem übertroffen worden. Die Gründe für die Rallye: die Finanzkrise, der schwache Dollar, Inflationsangst und unsichere Konjunkturaussichten. Doch was sollen Kleinanleger in diesen stürmischen Zeiten tun? Das kommt drauf an, wen man fragt. Und wie stark die Nerven des Anlegers sind.

Goldbarren: Guter Zeitpunkt, um Gold zu verkaufen
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Goldbarren: Guter Zeitpunkt, um Gold zu verkaufen

Optimisten können trotz der Finanzkrise in diesen Tagen dicke Gewinne einfahren - wenn sie ihr Geld bereits in Gold investiert haben. Wer das Edelmetall besitzt, sollte es in den nächsten Tagen verkaufen und Kasse machen, rät beispielsweise Susanne Toren, Senior Analystin bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Weiter würde der Goldpreis nicht mehr steigen. "Für die nächsten zwölf Monate gehen wir von einem Preis von 800 Dollar aus", sagt Toren. Die Expertin der viertgrößten Schweizer Bank glaubt, dass sich der Goldpreis nach den Gewinnmitnahmen in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht mehr erhöhen wird.

Dann sollten sich die Märkte wieder beruhigt haben. "Wer sich überlegt hat, jemals seine Goldmünzen zu verkaufen, sollte es jetzt tun", so Toren weiter. Das gelte für das Schweizer "Goldvreneli", den kanadischen "Maple Leaf", den "American Eagle", das australische "Känguruh", den chinesischen "Panda" wie für den südafrikanischen "Krügerrand", der bekanntesten Anlagemünze überhaupt. Alten Goldschmuck einzuschmelzen lohne sich hingegen selten: Der emotionale Wert übersteige meist den materiellen.

Für Kaufinteressenten heißt das im Gegenzug, dass sie warten sollten, bis der Preis nach den ersten großen Turbulenzen an den Finanzmärkten wieder sinkt. Tatsächlich aber hat die Nachfrage nach solidem Gold deutlich zugenommen, wie die Hamburger Sparkasse (Haspa) gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte. "Es gibt zahlreiche Leute, die ein paar Krügerrand-Münzen erwerben", so Sandra Meyer von der Edelmetallabteilung der Haspa. Diese kosten zur Zeit 650 Euro das Stück und sind in Deutschland ein Renner.

Allerdings kommen auch immer mehr Anleger in die Bankfilialen, um für 100.000 bis 150.000 Euro Goldbarren zu kaufen. Goldbarren gibt es in den Gewichtsgrößen 5, 10, 20, 50, 100, 250, 500 und 1000 Gramm. Diese können dann auch gleich im Bankschließfach sicher gelagert werden - oder mit nach Hause genommen werden, wenn man ganz schlimme Zeiten erwartet.

Im Unterschied zur Zürcher Staatsbank gehen die Hamburger für die nächsten zwölf Monate von einem durchschnittlichen Goldpreis von 1250 Dollar aus. Es gibt aber auch Beobachter, die sich einen Rekordpreis von 2000 oder gar 5000 Dollar vorstellen können. "Alles ist vorstellbar. Niemand weiß, wie die Finanzkrise ausgehen wird", sagt Martin Siegel, Herausgeber des Börsenbriefes "Gold Markt" und Fondsberater des PEH Q-Goldmines. Der Goldexperte sieht denn auch rabenschwarz für die Zukunft der Banken und der Wirtschaft allgemein. "Nach Bear Stearns kann es jede Bank treffen".

Er rät deshalb Anlegern unbedingt zu Investitionen in Gold. Denn es gäbe zur Zeit keine nennenswerte Alternativen zu Gold. "In 99 Prozent der Fälle ist es richtig, Gold zu kaufen." Und zwar physisches Gold. Siegel empfiehlt, mindestens 20 Prozent des Vermögens in Gold zu investieren.

Denn als Alternative zum Edelmetall im Safe gibt es bei den Finanzinstituten auch Goldzertifikate zu kaufen. Sie bilden den Goldpreis eins zu eins ab, aber man besitzt nur virtuelles Gold. Auf Wunsch ist diese Anlage auch mit einem Währungsrisikoschutz zu haben. Ganz Vorsichtige werden gar nur auf ETFs setzen wollen. Die Exchange Traded Funds sind zu 100 Prozent mit physischem Gold gesichert, das die Bank keinesfalls verleihen darf. Abzuraten ist momentan - da sind sich alle Experten einig - von Goldfonds, die ihre Gelder in verschiedene Goldminenunternehmen investieren. Ihre Aktien hinken zur Zeit deutlich hinter dem Goldpreis hinterher.

Tief pessimistischen Anlegern, die für die kommenden Monate das Schlimmste befürchten, rät Martin Siegel sogar vom Kauf dieser eigentlich sicheren Goldpapiere ab. "Was, wenn auch diese Banken Pleite gehen?" Dann wäre auch das Gold in den Tresoren verloren.

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