Preisschlacht Autorabatte steigen auf Rekordniveau

Die Rabattschlacht nimmt kein Ende: Derzeit liefern sich die Autoproduzenten ein Rennen um den größten Preisnachlass beim Autokauf. Einer Studie zufolge sind auch deutsche Hersteller darunter. Doch Experten warnen: Die Spätfolgen werden im kommenden Jahr sichtbar werden.


Duisburg - Die Rabatte der Autohersteller sind im Juli in Deutschland auf ein Rekordniveau gestiegen. Unter Einrechnung der Abwrackprämie stieg der Spitzenrabatt auf 57,9 Prozent, berichtete am Freitag der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in seiner neuesten Rabattstudie. "Die Rabattspirale hat damit immer noch nicht ihre Spitze gefunden und dreht sich kräftig weiter", sagte der Professor für Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen. "Was im deutschen Automarkt noch vor wenigen Jahren völlig unvorstellbar war, ist mittlerweile Alltag".

Dudenhöffer erwartet, dass die Autobauer auch in den kommenden Monaten ihre Rabattoffensive weiter vorantreiben, um die Schlussrallye bei der Abwrackprämie zu gewinnen. Bis Ende September, so rechnet er, könne mit Geld aus dem staatlichen Fördertopf gerechnet werden. Das mag Neuwagenkäufer freuen, schade aber der Branche, sagte der Automobilmarkt-Kenner.

Spitzenreiter bei der Rabattrechnung ist der Nissan Micra, der unter Berücksichtigung der Abwrackprämie 57,9 Prozent unter Listenpreis angeboten wird. Des Weiteren gab es 18 Angebote mit mindestens 40 Prozent Nachlass. "64 Modelle wurden im Juli einschließlich Abwrackprämie mit Rabatten zwischen 30 Prozent und 40 Prozent angeboten", heißt es in der Studie. "Darunter etwa der neue VW Golf (30,3 Prozent), der neue Ford Fiesta (38,7 Prozent), der Smart ForTwo (36 Prozent) - also keineswegs Auslauf-Modelle, sondern neue Modelle deutscher Autobauer."

Dudenhöffer bezeichnete die Rabattschlacht als "desaströs" und rechnet mit negativen Folgen für die Zukunft. Die Folgen der derzeitigen Entwicklung würden im kommenden Jahr sichtbar, schreibt der Experte. So seien in der zweiten Hälfte des Monats Juli arbeitstäglich 7500 Anträge auf Abwrackprämie eingereicht worden, für gut 310.000 Anträge sei noch Geld vorhanden. "Wir erwarten, dass die Autobauer daher auch in den nächsten Monaten die Rabatte eher weiter ankurbeln, um die Endrallye bei der Abwrackprämie zu gewinnen." Die Blase werde also noch größer und damit das sichere Platzen der Blase im Jahr 2010 einen noch größeren Schaden anrichten.

mik/dpa/ddp



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