Preisschock Super-Benzin kostet jetzt 1,42 Euro

Die großen Mineralölkonzerne haben die Spritpreise in Deutschland erneut um mehrere Cent angehoben. Im bundesweiten Durchschnitt kostet Superbenzin an Markentankstellen nun 1,42 Euro und Diesel 1,18 Euro je Liter.

Hamburg/Berlin - Zunächst erhöhte Total die Preise um vier Cent je Liter Benzin und um zwei Cent für Diesel. Im Laufe des Tages zogen Aral, Shell und Esso nach. Erst am Vortag waren die Preise um acht Cent je Liter Benzin auf neue Rekordstände gestiegen.

Ein Ende des rapiden Preisanstieg an deutschen Tankstellen ist nach Einschätzung von Energieexperten noch nicht absehbar. "Die Preise am Rotterdamer Spotmarkt sind innerhalb einer Woche um 30 Prozent gestiegen", sagte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst (EID) heute in Hamburg. "Das ist im deutschen Tankstellen-Markt noch gar nicht alles angekommen." Wiek sagte weiter, die Marke von 1,50 Euro je Liter Superkraftstoff sei "nicht mehr außerhalb jeder Realität".

Die jüngste Preisrunde begründen die Mineralölgesellschaften mit Produktionsausfällen durch den Wirbelsturm "Katrina" im Süden der USA. Weil zahlreiche Raffinerien stillstehen, kaufen amerikanische Händler alle verfügbaren europäischen Benzinvorräte auf. Von "völlig abgedreht" bis "heller Wahnsinn" reichen die Kommentare. Die Preise explodierten auf nie zuvor gesehene 850 Dollar je Tonne. Dadurch steige hierzulande der Benzinpreis.

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub widerspricht dieser Darstellung. In einigen Nachbarländern sind die Benzinpreise nach Beobachtung des ADAC bei weitem nicht so stark gestiegen wie in Deutschland. In Österreich zum Beispiel habe der Benzinpreis in den vergangenen Tagen in etwa stagniert, sagte ADAC-Experte Jürgen Albrecht in München. "Auch dies zeigt, dass die jüngsten Preisanhebungen nicht gerechtfertigt sind." Der eigentlich unerwünschte Trend zum Tanktourismus werde sich verstärken, wenn die Schere weiter auseinander gehe.

Deutsche lassen das Auto stehen

Deutschlands Autofahrer lassen wegen der steigenden Spritpreise ihren Wagen immer häufiger stehen. 45 Prozent fahren jetzt weniger, wie eine heute veröffentlichte Umfrage im Auftrag der TV-Zeitschrift "Bildwoche" ergab. Im Westen Deutschlands verzichteten 47 Prozent der Befragten öfter auf ihr Auto. Im Osten sind es nur 37 Prozent.

Ältere Fahrer ab 60 Jahre sind dabei offenbar kostenbewusster als junge Leute bis 29 Jahre. Rund die Hälfte der Älteren verzichtet jetzt häufiger auf das Auto. Bei den jüngeren Befragten lassen nur 39 Prozent ihren Wagen öfter stehen.

Scheinbar ungerührt von den steigenden Spritpreisen nutzen laut Umfrage allerdings 48 Prozent der Fahrer ihr Auto weiter wie bisher. Ob dies freiwillig, aus beruflichen oder anderen Gründen geschieht, wurde nicht gefragt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.