Preisstreit Milchbauern beenden Boykott

Der Bund Deutscher Milchviehhalter ruft die Landwirte zu einem Ende des Lieferstopps auf. Das erklärte BDM-Präsident Schaber in Berlin. Mehrere Discounter hatten ihre Bereitschaft signalisiert, die Milchpreise anzuheben - oder zumindest darüber zu verhandeln.


Berlin - Sie zogen zu Tausenden vors Brandenburger Tor, mit Trekkern, Kuhglocken und Plakaten - doch die Stimmung unter den protestierenden Milchbauern ist sehr viel zuversichtlicher als noch zu Beginn der gemeinsamen Aktionen. Mehrere Discounter haben nach einem tagelangen Lieferboykott Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen", erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, deshalb - und forderte die Bauern auf, ab Donnerstag Abend wieder Milch zu liefern.

Milchbauern-Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor: Der Verband warnt, wenn man sich aufs Kreuz gelegt fühle, "dann sind wir wieder da"
AP

Milchbauern-Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor: Der Verband warnt, wenn man sich aufs Kreuz gelegt fühle, "dann sind wir wieder da"

Es gebe so gut wie keine Handelskette, die nicht die Milchpreise erhöhen wolle, verkündete Schaber den Demonstranten. Es sei aber noch ein langer Kampf, bis von dem Geld etwas bei den Bauern ankomme. Am Donnerstagabend wollten Vertreter des BDM und des Milchindustrie-Verbands erneut miteinander verhandeln.

In allen Bundesländern fanden am heutigen Donnerstag Demonstrationen und Kundgebungen statt, wie der Bauernverband mitteilte. Schwerpunkte der Aktionen bildeten die beiden Aldi-Unternehmenszentralen in Mülheim und Essen. Aldi hatte im April drastische Preissenkungen um bis zu 20 Prozent durchgesetzt.

Jetzt gehe es darum, zur Normalität zurückzukehren, sagte Schaber in Berlin. Handel und Molkereien dürften sich aber nicht täuschen, drohte Schaber. Wenn sie versuchten, die Bauern bei der Aushandlung der Details aufs Kreuz zu legen, "dann sind wir wieder da".

Der Discounter Lidl hatte am Mittwoch nach Gesprächen mit Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner angekündigt, seinen Verkaufspreis je Liter Milch um 10 Cent und für Butter je 250-Gramm-Päckchen um 20 Cent anzuheben. Auch Rewe, Netto und Tengelmann mit seinem Discounter Plus kündigten laut Bauernverband zwischenzeitlich entsprechende Preiserhöhungen an.

Seitens der Unternehmen hört sich das freilich etwas vorsichtiger an - anscheinend will keiner ohne den anderen nachziehen. Aldi Süd will sich "an den aktuell im Markt diskutierten Erzeugerpreisen" orientieren. Ein Sprecher des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers Rewe sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn sich ein neuer Marktpreis bildet, wird die Rewe diesen Marktpreis nachvollziehen". Auch Plus und Tengelmann erklärten, gesprächsbereit zu sein.

ase/dpa/ddp/Reuters



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