Preissturz am Energiemarkt Opec kürzt Ölfördermenge um 1,5 Millionen Barrel

Entscheidung auf der Opec-Sonderkonferenz: Angesichts des rapiden Preisverfalls kürzt die Organisation Erdöl exportierender Länder die Förderung drastisch - der Preis für ein Barrel stürzte zuletzt auf 63 Dollar.


Singapur - Nach Einschätzung von Händlern ist es die Entscheidung des Tages: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will die Ölförderung nach Angaben des libyschen Ölministers um 1,5 Millionen Barrel täglich kürzen. Das teilten der iranische Ölminister Gholam-Hossein Nosari und der saudi-arabische Ölminister Ali al-Nuaimi übereinstimmend mit. Die am Freitag beschlossene Kürzung soll am 1. November in Kraft treten.

Ölraffinerie auf den Philippinen: Opec kürzt Fördermengen
REUTERS

Ölraffinerie auf den Philippinen: Opec kürzt Fördermengen

Die 13 Opec-Staaten waren am Freitag in Wien zu einer eilig einberufenen Sonderkonferenz zusammengekommen, um über Maßnahmen gegen den Preisverfall des Erdöls zu beraten. Saudi-Arabien werde 466.000 Barrel pro Tag weniger fördern und Iran 199.000 Barrel, hieß es. Gerüchte, es würde bald eine zweite Kürzung der Förderung geben, wies al-Nuaimi zurück. Es spreche derzeit keiner darüber, sagte er.

Der Ölpreis solle weiter durch den Markt bestimmt werden. Die Opec werde jedoch alles tun, um den Markt im Gleichgewicht zu halten. Ein weiteres außergewöhnliches Treffen vor der nächsten regulären Sitzung im Dezember sei nicht ausgeschlossen.

Durch die Reduktion der Fördermenge wird das Ölangebot an den Rohstoffmärkten verknappt. Dadurch wird der sinkenden Nachfrage entgegengewirkt, wodurch sich die Preise stabilisieren. Die Nachfrage war aufgrund der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und Rezessionsängsten in vielen Ländern deutlich gesunken.

Der Rohölpreis hat sich seit dem Sommer halbiert. Er ist von seinem Rekord von rund 147 Dollar pro Barrel im Juli inzwischen auf unter 70 Dollar gesunken. Iran und Kuwait haben sich bereits für eine Drosselung der Produktion ausgesprochen.

Trotz der OPEC-Entscheidung sank der Ölpreis weiter. In London fiel der Preis der auch für deutsche Autofahrer besonders relevanten Nordseesorte Brent auf 61,08 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Sorte Light Sweet Crude in New York sank auf 63,08 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2007.

Die Opec ist die bekannteste Kartellorganisation der Welt. Sie wurde 1960 gegründet und hat derzeit 13 Mitgliedstaaten: Algerien, Angola, Ecuador, Indonesien, Iran Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Emirate und Venezuela. Die Opec sieht ihre Aufgabe in der Koordination und Vereinheitlichung der Ölpolitik ihrer Mitglieder.

Neben den 13 Opec-Ländern gibt es andere große Ölförderländer, etwa Russland, Norwegen, die USA, Mexiko oder Kasachstan. Diese Länder sind nicht an Opec-Beschlüsse gebunden. Außerdem sind Marktkenner seit Jahren davon überzeugt, dass sich nicht alle Opec-Länder an die beschlossenen Fördermengen halten und oft mehr produzieren, um ihre Einnahmen zu steigern. Die Opec-Länder fördern mehr als 40 Prozent der Weltölproduktion.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters



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