Preistreiberei Die "Teuro-Mass" kommt

Während sich immer mehr Politiker und Prominente über Preiserhöhungen von Einzelhändlern, Kneipiers und Friseuren aufregen, kommt der nächste Schock: Das Oktoberfest-Bier wird teurer.


Machtlose Trinker: Wies'n-Maß wird wieder teurer
AFP

Machtlose Trinker: Wies'n-Maß wird wieder teurer

München/Hamburg - Die Festwirte werden beim diesjährigen Oktoberfest kräftig zulangen. Die Mass Wies'n-Bier soll nach Angaben der Boulevardzeitung "tz" um die 6,80 Euro kosten, das wäre eine Preiserhöhung von fast vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im vergangenen Jahr kostete die Mass Wies'n-Bier rund 12,80 Mark. Bei einem Preis von 6,80 Euro würde die Mass auf umgerechnet 13,30 Mark kommen. Das diesjährige Oktoberfest dauert vom 21. September bis 6. Oktober. Die Stadt München will den Bierpreis offiziell am Freitag bekannt geben. SPD-Landtagsabgeordneter und Wies'n-Ehrenrat Hermann Memmel bedauerte am Donnerstag die "Teuro-Mass".

Nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat ist die Inflationsrate jedoch rückläufig. Mit 2,4 Prozent lag die April-Teuerung unter den Werten des Vormonats (2,5 Prozent) und des Vorjahresmonats (2,9 Prozent). Dennoch hat Eurostat die Zahlen von 2,2 Prozent auf 2,4 Prozent nach oben revidiert. Grund dafür war den Statistikern zufolge der unerwartet starken Preis-Anstieg bei Alkohol, Kleidung und Tabak. Nach ihren Berechnungen sind Alkohol und Tabak im April um 3,9 Prozent teuerer geworden, Kleidung um 2,4 Prozent.

Nach dem Boykott-Aufruf von Bundesfinanzminister Hans Eichel haben sich noch weitere Minister und Prominente zu Wort gemeldet. Verbraucherschutzministerin Künast sagte der "Bild"-Zeitung, sie rate Verbrauchern, "Abzocker links liegen zu lassen und bei denen einzukaufen, die seriöse Preise machen". Auch Arbeitsminister Walter Riester forderte Konsumenten dazu auf, Kaufentscheidungen bewusst vom Preis abhängig zu machen. Man müsse dafür sogar den "Stamm-Friseur wechseln", empfahl er.

SPD-Fraktionschef Peter Struck hält es für eine "Schweinerei", dass manche Gaststätten eins zu eins auf Euro umgerechnet haben. Formel-1-Rennfahrer Ralf Schumacher regte sich über heimliche Preiserhöhungen auf: "Das ist dann wirklich eine fiese Abzocke. Meine Frau Cora und ich versuchen beim Einkaufen da sehr genau aufzupassen, aber manchmal ist man einfach machtlos."



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