Preisverfall Inflation fällt auf niedrigsten Stand seit zwei Jahren

Nach dem Rekordpreishoch im Sommer folgt ein beunruhigendes Tief: Die Inflationsrate ist im November auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Sie liegt jetzt weit unter der Marke, bei der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.


Wiesbaden - Die Inflation ist im November auf einen beunruhigend niedrigen Stand gesunken. Die Verbraucherpreise stiegen im vergangenen Monat nur noch um 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Inflationsrate blieb damit erstmals seit Juni 2007 unter der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht.

Konsument in Frankfurt am Main: Beunruhigender Preisverfall
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Konsument in Frankfurt am Main: Beunruhigender Preisverfall

Der Preisauftrieb hat sich den vierten Monat in Folge abgeschwächt. Noch im August hatte die Inflationsrate 3,1 Prozent betragen. Und sie wird Experten zufolge noch weiter sinken. Die Bundesbank erwartet im Jahresschnitt 2009 nur noch eine Teuerungsrate von 0,8 Prozent.

Maßgeblich verantwortlich für den niedrigen Anstieg der Verbraucherpreise im November waren die Preisrückgänge bei Benzin und Diesel. Der Rohölpreis ist seit seinem Rekordhoch im Juli auf rund ein Drittel gefallen, die Opec erwägt eine Rekord-Drosselung der Förderung, um dem Preisverfall entgegenzuwirken. Dazu kam ein statistischer Effekt: Im November vergangenen Jahres waren die Preise für Energie und Nahrungsmittel außergewöhnlich hoch - sie werden jetzt zum Vergleich für die Preisentwicklung im November dieses Jahres herangezogen.

Die Energiepreise stiegen im November im Schnitt nur um 1,4 Prozent im Vergleich zum November 2007. Sehr viel teurer wurden allerdings einzelne Energiearten: Gas um mehr als 22 Prozent, Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme um knapp 16 Prozent, Strom um rund sechs Prozent, wie die Statistiker mitteilten. Heizöl, Diesel und Benzin verbilligten sich dagegen stark. Ohne Einrechnung der Mineralölprodukte hätte die Inflationsrate im November deutlich höher bei zwei Prozent gelegen.

Lebensmittel waren im Schnitt 2,1 Prozent teurer als vor einem Jahr. Für Schokoladentafeln mussten 18,8 Prozent mehr gezahlt werden, für Bienenhonig 11,3 Prozent mehr. Nudeln wurden gut ein Fünftel teurer, Kekse um 12,5 Prozent und Backmischungen um 9,5 Prozent. Bei Fleisch und Fleischwaren gab es einen Aufschlag von 5,1 Prozent. Einzelne Molkereiprodukte wurden dagegen günstiger. Speisequark verbilligte sich um 16,8 Prozent, süße Sahne um 15,2 Prozent, H-Milch und 12,3 Prozent und Butter um 28,0 Prozent.

Trotz des scharfen Rückgangs der Teuerung sehen Experten keine Gefahr einer anhaltenden Deflation in der Euro-Zone. "Wenn man sich die Kernrate ansieht, steigen die Preise mit Ausnahme des Energiesektors immer noch, deswegen denke ich, dass wir von der Deflation weit weg sind", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. Allerdings könne eine kurze Zeit sinkender Preise im kommenden Jahr nicht ausgeschlossen werden, sagte Howard Archer von Global Insight.

Allerdings dürften die Preiseinbrüche auch kaum positive Wirkung haben. Experten zufolge wird sich der Konsum 2009 nicht gut entwickeln. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird die Kaufkraft stagnieren. Insgesamt dürfte sie nur um rund 1,1 Prozent steigen - und würde damit immer noch weitgehend von der Inflation aufgefressen.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat die "ständig neuen Horrormeldungen" über einen kommenden Absturz des Konsums als größte Gefahr für den Konsum selbst bezeichnet. "Eine Konsumflaute 2009 ist längst nicht ausgemacht", sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr den "Ruhr Nachrichten". Eine "Kakophonie der Horrormeldungen" verunsichere die Menschen. "Das könnte die Kauffreude massiv dämpfen und eine Konsumkrise erst herbeiführen", sagte Pellengahr.

ssu/AFP/dpa/Reuters



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