Premiere World "Darth Vader" will sich bei Kirch einkaufen

Der US-Unternehmer John Malone will bei Leo Kirchs verlustreichem Bezahlfernsehen Premiere World einsteigen. Für Kirch wäre das ein zweifelhafter Segen: Malone gilt als einer der skrupellosesten Akteure im Mediengeschäft.


Leo Kirch: Bei den Verhandlungen mit John Malone trafen zwei knallharte Taktiker aufeinander
DPA

Leo Kirch: Bei den Verhandlungen mit John Malone trafen zwei knallharte Taktiker aufeinander

Berlin/Denver - Oberflächlich gesehen wäre Kirch ein bedrohliches Problem los, wenn Malone Gesellschafter bei Premiere würde: Er hätte endlich einen Abnehmer für den 22-prozentigen Anteil an dem Pay-TV-Unternehmen gefunden, den derzeit noch der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch über BskyB Deutschland hält.

Murdoch hatte Kirch Anfang November ein Ultimatum gestellt: Wenn es der KirchGruppe nicht gelänge, die Abonnentenzahlen bei Premiere deutlich zu steigern, werde er seinen Anteil zurückgeben. Kirch wäre vertraglich verpflichtet, die Rückgabe zu akzeptieren und müsste Murdoch rund drei Milliarden Mark zahlen. Angesichts der geschätzten Gesamtverschuldung der KirchGruppe von bisher bereits sieben Milliarden Mark wäre das eine mehr als ärgerliche Pflicht für Kirch.

John Malone allerdings könnte für Kirch ein noch schwierigerer Partner werden als Murdoch - das deutet schon Malones Spitznahme "Kabel Cowboy" an. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore verglich Malone gar mit dem Star-Wars-Schurken "Darth Vader". Der Chef des Unternehmens gilt als Star im Geschäft mit TV-Kabeln, das er Anfang der siebziger Jahre mit seiner damaligen Firma Tele-Communications (TCI) aufbaute.

Am Donnerstag bestätigte ein Sprecher von Malones Unternehmen Liberty Media gegenüber Bloomberg, Malone und Murdoch seien weitgehend handelseinig über den Anteilsverkauf. Allerdings werde über den genauen Preis des Premiere-Pakets weiter verhandelt. Murdoch kann seine Anteile nach Einschätzung von Branchenkennern jedoch nur dann an Malone verkaufen, wenn Kirch zustimmt.

John Charles Custer Malone: In nur wenigen Monaten stieg er zum deutschen Kabel-König auf
AP

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Der Erwerb der Murdoch-Anteile an Premiere World könnte ein Teil der Großeinkaufstour in Deutschland sein, die der Kabeltycoon Malone in diesem Jahr begonnen hat. Erst Anfang des Monats hatte er ein Geschäft mit der Deutschen Bank beschlossen, die ihm den größten Teil ihres Kabelfernseh-Unternehmens Tele-Columbus abtritt.

Der Deutschen Telekom hatte Liberty im September sechs der neun Kabelnetze für 5,5 Milliarden Euro abgekauft. Ende kommenden Jahres will das Unternehmen allen seiner zehn Millionen Kabelhaushalte Empfangsgeräte für das digitale Fernsehen schenken. Zusätzlich zu den bestehenden Kabel-Programmen will Liberty zunächst rund 40 digitale Programme und einen Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet über das Fernsehen anbieten.

Unter anderem für Verhandlungen über die Zukunft des TV-Kabelnetzes in Deutschland ist Malone - trotz seiner bekannten Flugangst - am Donnerstag nach Berlin geflogen, wo er auch mit Kanzler Gerhard Schröder zusammentraf. Auch mit Leo Kirch, der in Berlin vor dem Spendenausschuss des Bundestages über Spenden an Helmut Kohl aussagte, kam der Amerikaner nach Insider-Berichten zusammen.

Vieles deutet momentan darauf hin, dass auch Kirch dem Murdoch-Malone-Deal zustimmt. Die Nachrichtenagentur dpa erfuhr aus Verhandlungskreisen, die Gespräche stünden kurz vor dem Abschluss. Die KirchGruppe bestätigte immerhin, dass mit Malones Liberty verhandelt werde. Es sei allerdings vorrangig um mögliche Kooperationen zwischen Liberty Media und den Free-TV- und Bezahlsendern der KirchGruppe gegangen, sagte ein Kirch-Sprecher. Die Gespräche seien "sehr konstruktiv und sehr positiv" verlaufen. Der Wunsch Libertys an einer Beteiligung an Premiere World habe indes nicht im Vordergrund gestanden.

Branchenkreise glauben, dass ein Einstieg Malones bei Premiere World den Argwohn der Kartellbehörden wecken würde. Gleichzeitig wird aber munter darüber spekuliert, warum Malone an einem Einstieg bei Premiere interessiert ist. Schon macht das Gerücht die Runde, Malone wolle ganze Teile der KirchGruppe in Liberty Media eingliedern. Das wäre in der Tat eine schlechte Nachricht für Leo Kirch. Denn bisher hat der Kabel-Cowboy aus Denver so ziemlich alles erreicht, was er sich vorgenommen hat.

Matthias Streitz



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