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Alexander Neubacher

Preppen gegen Putin Rechnen Sie mit dem Schlimmsten!

Alexander Neubacher
Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Gasflaschen ausverkauft. Radiatoren nicht verfügbar. Brennholz teuer wie Wohnzimmerparkett? So bereiten wir uns jetzt auf den Winter vor.
aus DER SPIEGEL 29/2022
Notfallvorsorge für einen Ein-Personen-Haushalt

Notfallvorsorge für einen Ein-Personen-Haushalt

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Jochen Tack / imago images/Jochen Tack

Vor einigen Tagen war ich im Baumarkt, um eine Gasflasche für unseren Gartengrill zu besorgen. Leider vergeblich. »Ausverkauft«, sagte der Mann am Infoschalter, »ein Hamsterkäufer war vor Ihnen da.« Falls ich leere Flaschen im Austausch anzubieten hätte, könne er vielleicht etwas machen. Für eine 11-Kilo-Flasche bekäme ich allerdings nur eine 5-Kilo-Flasche zurück. Ich fühlte mich an den Wechselkurs für Ostmark nach der Wende erinnert.

Deutschland präpariert sich für den Kriegswinter 2022/23, als stünde der Russe vor unserer Tür. Bevor uns Putin den Gashahn zudreht, sorgen wir für den Katastrophenfall vor.

Aus: DER SPIEGEL 29/2022
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Titelillustration: Maren Amani für den SPIEGEL

Keiner da, der sich kümmert

Die düsteren Prognosen von Wirtschaftsexperten tat man über Jahre als überzogen ab. Nun ist der Personalmangel da – und trifft Deutschland mit Wucht. Gesucht werden nicht nur Menschen mit Spitzenqualifikationen, sondern auch mit ganz alltäglichen Berufen. Ohne sie droht dem Land der Kollaps.

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Elektroheizungen, im Sommer sonst Ladenhüter, sind plötzlich auch im Juli gefragt. Radiatoren: Heiß begehrt. Kaminöfen: gerade nicht verfügbar. Brennholz: preislich auf dem Weg zum Wohnzimmerparkett. Glücklich, wer noch über einen alten Kohleofen verfügt. Zehn Kilo Lausitzer »Rekord«-Briketts gibt es im Baumarkt für 5,49 Euro.

Als ich vor einigen Jahren die ersten Berichte über so­genannte Prepper las, das Wort kommt vom englischen »prepare« für »vorbereiten«, galten die als Outlaws, Verschwörungstheoretiker, »Reichsbürger«, Spinner vom rechten Rand. Dann kam Corona mit Knappheiten beim Klopapier.

Die »Tagesschau«-Sprecherin Judith Rakers schrieb einen Bestseller für Selbstversorger, die Grünkohl bis dato kaum vom Spinat unterscheiden konnten. Und nun las ich letzte Woche hier im SPIEGEL  von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die als clever gelten, weil sie sich ihr Essen selbst anbauen und gern so leben wie unsere Vorfahren. Die Überschrift des Artikels hieß »Ackern gegen Putin«, wenngleich ich fürchte, dass Putin sich über uns gerade eher kaputtlacht.

Die Behörde empfiehlt eine Notreserve von 14 Kilo Lebensmitteln und 20 Liter Wasser – pro Person.

Wer mit dem Schlimmsten rechnet, ist voll auf Regierungslinie. Vergangenen Mittwoch beschloss das Ampelkabinett eine »Resilienzstrategie« gegen Notlagen. Eine besondere Rolle kommt hier dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn-Lengsdorf zu. »Ihr Ziel muss es sein, 10 Tage ohne Einkaufen überstehen zu können«, rät das Amt auf seiner Website  in einer Checkliste, was bedeute: Jeder Mensch benötige eine permanenten Vorrat von 14 Kilogramm Lebensmitteln plus 20 Liter Getränke.

Ob die Häuser in Bonn-Lengsdorf so viel Platz bieten? In unserem Berliner Keller wird es leider eng, sollten wir zwischen den ganzen Reserven demnächst Schutz suchen müssen.

Ich neige nicht zu Panik. Aber auch mir schlägt die Lage aufs Gemüt. Für Oktober habe ich mich für einen Motorsägenkurs in Brandenburg angemeldet; man lernt, wie man sein eigenes Feuerholz herstellt. Das ist natürlich sehr hilfreich, wenn es für den Grill schon keine Gasflaschen mehr gibt.

Sollten Sie das für eine nachahmenswerte Idee halten, muss ich Sie leider enttäuschen: Mein Kurs ist ausgebucht.

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