Preussag Das tapfere Lächeln der TUI

Kaum eine Branche scheint durch Terrorfolgen und Konjunktureinbruch so verwundbar wie die Touristik. Branchenkenner aber trauen der Reisesparte der Preussag zu, schneller als der Markt zu wachsen. Der Konzern-Zweig profitiert vom Image seiner Hauptmarke TUI.

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Preussag-Chef Michael Frenzel (Mitte) und Vorstandskollegen präsentieren das "World of TUI"-Logo: 90 Millionen Euro Werbebudget
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Preussag-Chef Michael Frenzel (Mitte) und Vorstandskollegen präsentieren das "World of TUI"-Logo: 90 Millionen Euro Werbebudget

Hannover - Es sah aus wie ein trotziger Versuch, sich die Laune nicht verderben zu lassen. Anfang November, anderthalb Monate, nachdem die Flugzeug-Attacken in den USA die Reisebranche in eine Welle der Angst getrieben hatten, warb überall in deutschen Städten ein Lächeln für schöne Ferien. Auf beleuchteten Großflächen-Plakaten räkelte sich eine junge Frau im Whirlpool, auf Postern an Bushaltestellen und in Reisebüros tollte ein pausbäckiges Mädchen am Strand.

Der Tourismuskonzern Preussag, zu dem TUI, Thomson Travel, Hapag-Lloyd, die First-Reisebüros, RIU und gut 200 weitere Urlaubsmarken gehören, hatte der Werbeagentur Springer & Jacoby einen achtstelligen Etat eingeräumt, um seine neue alte Marke World of TUI zu etablieren. Die bisher unabhängigen Marken sollen unter dem Dach des Traditionsnamens gebündelt, mit dem World of TUI-Logo als Familienmitglieder gekennzeichnet werden.

Kurz darauf noch ein PR-Manöver: Mit Tamtam und dem Kanzler als Stargast weihte Preussag ihre neue Repräsentanz Unter den Linden ein. Ein Repräsentationsbau für den größten Urlaubskonzern der Welt. So agiert ein Unternehmen, das trotz schlechter konjunktureller Lage auf sonnige Zeiten setzt.

"Die Leute buchen wieder"

Während der Konkurrent Thomas Cook, Spross von Lufthansa und Karstadt, viele im Branchenverband DRV mit Stellenstreichungen und Prognosen über einen 15-prozentigen Umsatzrückgang im neuen Geschäftsjahr schockierte, blieb Preussag zuversichtlich. Auch nach dem Golfkrieg seien die Touristen rasch zurückgekommen, trommelte der Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel.

Ferienflieger der Hapag-Lloyd mit "World of TUI-"Logo: Die Dachmarkenstrategie soll das TUI-Image für bisher separate Marken nutzen
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Ferienflieger der Hapag-Lloyd mit "World of TUI-"Logo: Die Dachmarkenstrategie soll das TUI-Image für bisher separate Marken nutzen

Im November platzierte dann Volker Böttcher, Chef von TUI Deutschland, optimistische Interviews in der Presse. Die Botschaft: "Die Leute buchen wieder", im Jahr 2002 sei ein Marktwachstum von ein bis zwei Prozent realistisch - und "wir wollen und werden auch weiterhin stärker wachsen als der Markt". Das Umsatzminus von acht Prozent in der aktuellen Wintersaison - kein Grund, Alarm zu schlagen. Eine von der TUI beauftragte Repräsentativumfrage belege: 90 Prozent der Deutschen wollten bei ihren Reiseplänen für 2002 bleiben, allenfalls später buchen als sonst.

Bleibt die Touristik-Sparte der Hannoveraner also auf Wachstum abonniert? Jahrelang war der Frenzel der Darling von Analysten und Investoren. Weil er den früheren preußischen Staatskonzern mit seinem unübersichtlichen Portfolio von Bergbau- und Industrietöchtern modernisiert hatte, weil er Stahl, Werften und Kohle losschlug und bis Mitte 1999 sämtliche TUI-Anteile übernahm, galt er als Visionär. Das "manager-magazin" ernannte ihn zum "Manager des Jahres" 2000.



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