Printmedien Montgomery erhält Zuschlag für "Berliner Zeitung"

Der Berliner Verlag wird von einer Gruppe Finanzinvestoren um den Briten David Montgomery übernommen. Das Konsortium aus der amerikanischen VSS und der britischen Mecom übernimmt den traditionsreichen Verlag, in dem unter anderem die "Berliner Zeitung" erscheint.


Berliner Verlag. In angelsächsischer Hand
DPA

Berliner Verlag. In angelsächsischer Hand

Berlin - Der Verkauf des Berliner Verlags an eine anglo-amerikanische Finanzgruppe ist unter Dach und Fach. Die britische Firma Mecom und die Finanzgruppe Veronis Suhler Stevenson (VSS) übernehmen das Verlagshaus mit den Zeitungen "Berliner Zeitung", "Berliner Kurier" und dem Stadtmagazin "Tip", wie Investor David Montgomery heute in Berlin mitteilte. Der Vertrag sei am Montagabend unterzeichnet worden.

Er stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes. Die Vertragspartner rechneten damit, dass der Vertrag Ende November rechtskräftig werde. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die ursprünglich an den Gesprächen beteiligte britische Investmentfirma 3i war in der vergangenen Woche ausgestiegen.

Das Konsortium betrachte die Akquisition als langfristiges strategisches Investment, sagte Montgomery. Es beabsichtige, den Verlag wirtschaftlich zu stärken und die redaktionelle Qualität weiter auszubauen. Man habe auch den Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter, der sich vehement gegen die Übernahme ausgesprochen hatte, eingeladen, im Team dabei zu sein.

Erzwungener Ausstieg

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hatte den Berliner Verlag vor drei Jahren von Gruner + Jahr erworben. Das Kartellamt untersagte später allerdings den Kauf. Nach Ansicht der Kartellwächter hätte Holtzbrinck mit der "Berliner Zeitung" und dem bereits zum Konzern gehörenden "Tagesspiegel" eine marktbeherrschende Stellung im Berliner Abonnentenmarkt erlangt.

"Es ist sehr bedauerlich, dass wir in Berlin keine starke Nummer zwei im Markt werden konnten und uns somit wiederholt ein signifikantes Engagement im deutschen Zeitungswesen untersagt wurde", erklärte Verleger Stefan von Holtzbrinck.

"Mit dem Verkauf an Mecom/VSS tritt nun ein verlegergeführtes, finanzstarkes Unternehmen ... auf den Markt" so Holtzbrinck weiter, "das im Zuge einer auf lange Sicht angelegten Strategie mit Optimismus in Deutschland investieren wird und dabei verspricht, im Rahmen einer Wachstumsstrategie die Unabhängigkeit und Qualität der Titel zu erhalten."

Die Investoren hätten Weitsicht und Mut bewiesen. "Sie können ihre Ziele nur erreichen, wenn sie einhalten, was sie versprechen: Dass sie zu den Qualitätsstandards der 'Berliner Zeitung' und zum Erfolg des 'Berliner Kuriers' stehen - und daran nichts ändern wollen", sagte Holtzbrinck der "Süddeutschen Zeitung". Die Finanzinvestoren hätten ein auf fünf bis zehn Jahre angelegtes Konzept. "Es handelt sich um einen in langen Zeiträumen denkenden Private-Equity-Fonds, aber nicht um einen spekulativen Hedge-Fonds", betonte Holtzbrinck. Der Haupt-Investor David Montgomery sei ein sehr besonnener, standfester Mann, der in Großbritannien den Wert der fast bankrotten Mirror Group erheblich gesteigert habe.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.