Prism-Enthüllung Wie die CIA einen Schweizer Banker anwarb

Bei der Enthüllung des gigantischen US-Spähprogramms Prism sind auch Details über die Arbeitsweise der CIA in Europa bekanntgeworden. Besonders pikant ist die Schilderung des Whistleblowers Snowden, wie der Geheimdienst einen Banker in Genf angeworben hat.
Schweizer Diplomatenstadt Genf: Anwerbung eines Bankers durch die CIA

Schweizer Diplomatenstadt Genf: Anwerbung eines Bankers durch die CIA

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

Hamburg - In dem Interview mit der britischen Zeitung "Guardian" beschreibt der heute 29-jährige Ed Snowden, der die riesige Datensammlung des US-Spähprogramms Prism veröffentlichte, ausführlich seinen Werdegang. Nachdem Snowden begonnen hatte, als IT-Fachmann für die CIA zu arbeiten, stattete ihn der Dienst mit der Identität eines Diplomaten aus und schickte ihn 2007 in die Schweiz - zur US-Botschaft in Genf.

Dort war er verantwortlich für die Sicherheit der Computer-Netzwerke - und hatte schon damals weitreichenden Zugang zu geheimen Dokumenten. Er habe, so Snowden im Interview , Dinge zu Gesicht bekommen, die ihn desillusioniert hätten: "Mir wurde klar, dass ich Teil von etwas war, das mehr Schaden anrichtet, als Gutes tut".

Besonders brisant ist die Schilderung, wie CIA-Mitarbeiter versucht haben sollen, einen Schweizer Banker anzuwerben, um von ihm geheime Bankdaten zu bekommen. Laut Snowden hätten die Geheimdienstleute den Banker betrunken gemacht und dazu bewegt, mit dem Auto nach Hause zu fahren. Als der Banker dann von der Polizei wegen Alkohol am Steuer festgenommen wurde, habe ihm ein verdeckter CIA-Mitarbeiter seine Hilfe angeboten. So sei eine Freundschaft entstanden - und die Anwerbung war erfolgreich. So schilderte es der 29-jährige Whistleblower dem "Guardian".

Die Kantonspolizei Genf hat der "Neuen Zürcher Zeitung" ("NZZ") auf Anfrage lediglich mitgeteilt , es gebe zu diesem Thema nichts zu sagen, es sei schlicht unmöglich, den Vorfall von vor fünf Jahren zu verifizieren. Dazu sei der Fall aus polizeilicher Sicht zu unbedeutend, schreibt die "NZZ".

Verschiedene Schweizer Medien spekulierten, dass es sich bei dem Banker um Bradley Birkenfeld handeln könnte. Der US-Amerikaner arbeitete damals als Kundenberater im Offshore-Team der UBS in Genf. Im Sommer 2007 hatte Birkenfeld umfangreiches Datenmaterial an die US-Justiz- und Steuerbehörden geliefert, die belegten, dass die UBS reichen US-Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen hatte.

Der UBS drohte daraufhin in den USA eine Klage, die möglicherweise das Aus für die Bank hätte bedeuten können. Die Bank stimmte schließlich einem Vergleich zu und zahlte 2009 eine Geldbuße von 780 Millionen Dollar an die US-Behörden und gab mit dem Einverständnis der Schweizer Behörden die Namen von Tausenden mutmaßlichen US-Steuersündern heraus.

Birkenfeld selbst musste 2010 wegen Steuerbetrugs ins Gefängnis. Er kam im August 2012 frei und wurde von der US-Steuerbehörde IRS mit 104 Millionen Dollar für seine Angaben belohnt.

nck
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