Private Lottovermittler "Das Tor ist aufgemacht - für alle"

Nach dem Willen des Kartellamts sollen private Vermittler wie Fluxx künftig eigene Lotto-Annahmestellen aufbauen dürfen. SPIEGEL ONLINE sprach mit Firmenchef Rainer Jacken über die Bedeutung der Entscheidung - und darüber, wann man Tippscheine im Supermarkt oder an der Tankstelle abgeben kann.


SPIEGEL ONLINE: Herr Jacken, das Bundeskartellamt hat heute Morgen entschieden, dass auch private Vermittler wie Ihre Firma Fluxx Chart zeigen Lottoscheine annehmen und an die Lottogesellschaften weiterleiten dürfen. Schon am Nachmittag hat der Lotto-Toto-Block Klage gegen den Entscheid angekündigt. Da hat die Euphorie heute bei Ihnen wohl nur ein paar Stunden gedauert?

Lottoscheine im Supermarkt: "Wir empfinden das als Befreiung"

Lottoscheine im Supermarkt: "Wir empfinden das als Befreiung"

Jacken: Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass der Beschluss des Kartellamts samtweich durchgeht. Aber wirklich daran geglaubt haben wir nicht. Die Klage des Deutschen Lotto-Toto-Blocks ist für uns business as usual – sie ist das normale, irrationale Verhalten von Monopolisten. Sie hat aber keine aufschiebende Wirkung. Insofern sind wir nach der Entscheidung des Kartellamts viel entspannter. Wir empfinden sie als Befreiung.

SPIEGEL ONLINE: Bisher unterhält Fluxx 150 eigene Annahmestellen für Lottoscheine, die meisten in Supermärkten in Schleswig-Holstein, einige auch in Tankstellen - besonders viel ist das nicht.

Jacken: Wir haben erst zu Beginn des Jahres richtig mit dem Ausbau begonnen und sind dann rasch wieder auf die Bremse getreten, weil die Lottogesellschaften so heftigen Widerstand geleistet haben. Mehrere haben ihre Verträge mit uns gekündigt - in rechtswidriger Weise, wie das Kartellamt nun sagt. Wir machen jetzt aber in erhöhtem Tempo weiter. Ende des Jahres wollen wir mit unser Tochterfirma Jaxx 600 Annahmestellen haben, Ende 2007 dann rund 2000.

SPIEGEL ONLINE: Immer noch nicht viel verglichen mit den 25.000 Annahmestellen, die bisher Lottoscheine entgegennehmen.

Jacken: Wir wollen die bisherigen Annahmestellen ja nicht aus dem Geschäft drängen, sondern den Lottokunden eine zusätzliche Möglichkeit anbieten. Wenn es für sie bequemer ist, können sie ihren Schein künftig auch im Supermarkt ausfüllen. Wir haben jetzt schon Verträge mit Edeka, Kaiser's, Tengelmann den Tankstellen Oil!, Orlen und anderen. Edeka als Marktführer bei Supermärkten kommt immerhin auf 13.000 Filialen.

Rainer Jacken, 48, ist seit Gründung der Fluxx AG deren Vorstandschef
FLUXX AG

Rainer Jacken, 48, ist seit Gründung der Fluxx AG deren Vorstandschef

Mit Schlecker kooperieren wir bereits im Internet, und wir verhandeln über Lottscheinabgabe in den Drogerien. Wir wenden viel Energie auf, um mit potenziellen anderen Partnern Verträge abzuschließen.

SPIEGEL ONLINE: Nach dem Kartellentscheid könnten theoretisch auch die Supermarktketten oder andere Unternehmen selbst Annahmestellen aufbauen. Das wäre doch eine immens gefährliche Konkurrenz für Sie als kleines Unternehmen.

Jacken: Das Tor ist aufgemacht – für alle. Die Entscheidung des Kartellamts ist ja keine Lex fluxx. Es werden uns andere gleichtun, vielleicht haben sie sogar schon mit den Vorbereitungen begonnen. Die Materie ist aber unglaublich komplex, und wir halten ein spezielles Team von Software-Entwicklern dafür vor. Supermärkte können das nicht von heute auf morgen alleine, ohne Partner.

SPIEGEL ONLINE: Auch nach der Entscheidung des Kartellamts behält der Staat sein Lottomonopol, Fluxx und andere können nur als Vermittler auftreten. Müssten Sie da nicht versuchen, sich möglichst gut mit den Lottogesellschaften zu stellen und Provokationen zu vermeiden?

Jacken: Wir haben diesen Fight ja nicht gewollt. Er ist uns aufgedrängt worden. Es ist ein ungleicher Kampf, David gegen Goliath. Es macht ja auch für die Lottogesellschaften - wirtschaftlich gesehen - keinen Sinn, Vertriebsunternehmen wie uns zu diskriminieren. Aber die Lottogesellschaften haben das bisher nie so gemacht, es ging auch immer um Landespolitik, Ländereinnahmen - und darum, die gewerblichen Anbieter zu ersticken.

Das Interview führte Matthias Streitz



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