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25. Juli 2007, 20:52 Uhr

Privatisierung

Russen wollen Deutsche Bahn kaufen

Die Privatisierung der Deutschen Bahn ist noch nicht beschlossen, da zeigt ein russischer Staatskonzern bereits Interesse. Per Zeitungsinterview bietet sich JSC Russian Railways als Investor an: "Die Deutschen können von uns viel lernen."

Moskau - Zwischen Bund und Ländern ist die Privatisierung der Deutschen Bahn noch heftig umstritten - doch der russische Staatskonzern JSC Russian Railways lässt sich davon nicht abschrecken. Sollte es zum Verkauf von Anteilen kommen, könnte JSC zu den Bietern gehören. "Wir würden eine solche Allianz nicht ablehnen", sagt Unternehmensvorstand Sergej Michailow der Zeitung "Wedomosti". "Die Deutschen können von uns viel lernen."

ICE zwischen Köln und Frankfurt: Im Gespräch ist ein Börsengang der Bahn oder ein Verkauf von Anteilen an strategische Investoren
DPA

ICE zwischen Köln und Frankfurt: Im Gespräch ist ein Börsengang der Bahn oder ein Verkauf von Anteilen an strategische Investoren

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) versuchen in diesen Tagen, die Privatisierung des Unternehmens voranzutreiben. Im Gespräch ist sowohl ein Börsengang als auch ein Verkauf von Anteilen an strategische Investoren. In den Bundesländern gibt es dagegen Widerstand, auch Verbraucherschützer sehen das Privatisierungsvorhaben skeptisch.

Der Vorstoß der Russen kommt umso überraschender, als die Bundesregierung gerade plant, wichtige Branchen vor dem Zugriff ausländischer Staatsfonds zu schützen. Bisher war vor allem von Rüstungs- und Energiefirmen die Rede - ein Einstieg eines Kreml-nahen Unternehmens bei der Deutschen Bahn dürfte aber ebenfalls für Aufregung sorgen.

JSC zeigt sich von solchen Überlegungen unbeeindruckt. "Wenn das Geschäft für uns vorteilhaft ist und wenn die (russische) Regierung zustimmt, dann wäre das was", sagt Michailow.

Beobachter bezweifeln allerdings, ob sich das Geschäft tatsächlich lohnt. Anteile an der Deutschen Bahn zu kaufen, wäre "gut für das russische Image", sagt Börsenanalyst Maxim Schein in der "Wedomosti". "Aber wirtschaftliche Vorteile sind nicht unbedingt zu erkennen."

Auch für Privatinvestoren aus Russland komme ein Einstieg bei der Deutschen Bahn kaum in Frage, glaubt der Experte. "Renditen unter zehn Prozent sind für sie kaum interessant. Die Aktien von europäischen Eisenbahnunternehmen bieten ein stabiles, aber nicht sehr hohes Wachstum."

wal

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