Produktionspannen Dreamliner wird für Boeing zum Alptraum

Rückschlag im Konkurrenzkampf mit Airbus: Der Boeing-Konzern hat weitere Lieferverzögerungen bei seinem 787-Jet angekündigt. Der Erstflug soll nun erst gegen Ende des Jahres starten, die ersten Jets im dritten Quartal 2009 ausgeliefert werden.


Chicago - Es ist bereits die dritte Korrektur des Zeitplans - in nur sechs Monaten: Ursprünglich sollte die erste Auslieferung bereits in diesem Mai erfolgen. Im Jahr 2009 sollen nun etwa 25 Boeing 787 ausgeliefert werden, hieß es weiter. Im Dezember 2007 hatte das Unternehmen die Auslieferung von 109 Dreamlinern im Jahr 2009 in Aussicht gestellt. Boeing bedauere die Verzögerungen. Sie werde eng mit den Kunden zusammenarbeiten, um die Folgen möglichst in Grenzen zu halten.

Experten und US-Zeitungen hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach über weitere Verspätungen bei dem neuen Langstreckenflieger spekuliert.

Ähnlich wie einst die EADS-Tochter Chart zeigen Airbus beim Start des Großraumfliegers A380 kämpft Boeing Chart zeigen bei seinem Prestigeprojekt Dreamliner seit längerem mit Schwierigkeiten.

Das Projekt behindern vor allem Probleme mit Zulieferern. Der Konzern hat einen Großteil der Arbeiten für die 787 an andere Firmen ausgelagert. Nicht passende Teile und fehlende Nieten waren bereits die Gründe für die ersten beiden Verschiebungen.

Zuletzt hatte der Flugzeugbauer seinen Zeitplan im Januar modifiziert. Ursprünglich sollte die erste Maschine bereits im Mai dieses Jahres an die japanische All Nippon Airways gehen. Boeing hatte den Termin aber bereits auf Anfang 2009 verschoben. Branchenkenner schließen jedoch nicht aus, dass die 787 am Ende sogar mit zweijähriger Verspätung an die Kunden ausgeliefert wird.

"Wir bedauern die Störung und Enttäuschung, die diese Änderungen für unsere Kunden bedeuten und wir werden eng mit ihnen zusammenarbeiten, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten", sagte der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugssparte Scott Carson.

Die neuerlichen Probleme beim Bau des Dreamliners könnten dazu führen, dass Boeing eine der drei geplanten Varianten der Maschine verschieben oder gar kippen muss, berichtet die "Times". Denn Boeing drohen nun vor allem im Jahr 2009 weitere Umsatzausfälle in Milliardenhöhe. Laut dem Flugzeugbauer steigen zudem die Forschungs- und Entwicklungskosten.

Aufgrund der neuerlichen Verzögerung muss Boeing nun wohl mit den in einem solchen Fall üblichen Strafzahlungen rechnen. Aus dem Grund hatte Boeing auch lange damit gezögert, die Probleme bei der Produktion des Flugzeugs überhaupt bekanntzugeben.

Der Druck auf Boeing wächst, denn der Dreamliner ist das bislang am meisten georderte Flugzeug der Konzerngeschichte. Bis jetzt liegen über 850 Bestellungen von 56 Kunden aus aller Welt vor. Die Boeing 787 ist das erste Verkehrsflugzeug der Welt, das zu über 50 Prozent aus Verbundwerkstoffen besteht.

mik/dpa/AP/AFP



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