Produktionssorgen Airbus kann A380-Termine nicht halten

Die Produktion des Megaliners A380 stellt Airbus vor unerwartete Probleme. Die meisten Kunden werden ihre Flugzeuge deshalb sechs, sieben Monate später bekommen als zuletzt versprochen. Den betroffenen Airlines muss Airbus Entschädigung zahlen.


Toulouse – Die Kunden sind bereits informiert. Aus "produktionstechnischen Gründen" werde sich der Auslieferungszeitplan für den A380 "um sechs bis sieben Monate nach hinten verschieben", teilte Airbus am Abend in Toulouse mit. Die Verzögerung in der Fertigung sei "auf Engpässe zurückzuführen, die bei der Definition, Herstellung und Installation elektrischer Systeme und Kabelbäume entstanden sind", hieß es.

A380 (bei der Flugschau ILA in Berlin): Sorgen mit der Elektrik
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A380 (bei der Flugschau ILA in Berlin): Sorgen mit der Elektrik

Die Erstauslieferung an Singapore Airlines soll zwar wie geplant zum Jahresende erfolgen. Danach aber soll der Produktionsrhythmus für das Großflugzeug gesenkt werden. "Airbus ist sich der Belastungen" für die Kunden "völlig bewusst", hieß es in der Erklärung.

Wie viel Kompensation Airbus den Kunden zahlen muss, wurde nicht mitgeteilt. Das Großflugzeug soll eigentlich der "Goldesel" der EADS Chart zeigen-Tochterfirma werden. Bislang haben 16 Airlines insgesamt 159 Flugzeuge bestellt.

Im Jahr 2008 werden nun voraussichtlich fünf bis neun Flugzeuge weniger und 2009 etwa fünf Flugzeuge weniger als ursprünglich geplant zur Auslieferung kommen. Bislang sollten ab 2008 jährlich 35 Maschinen ausgeliefert werden.

Bereits zu Monatsbeginn hatte Airbus Lieferverzögerungen von zwei bis sechs Monaten zumindest für die Erstkunden eingeräumt, nachdem Fluggesellschaften wie Qantas von angekündigten Verspätungen berichtet hatten. Qantas Chart zeigen hat schon Schadenersatzforderungen gestellt, ohne aber Details zu nennen.

Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Er ist über 72 Meter lang, knapp 80 Meter breit und 24,1 Meter hoch. Der doppelstöckige Jet bietet in der Normal-Ausstattung 555 Passagieren Platz. Gleichzeitig ist er nach Hersteller-Angaben sparsamer und leiser als bisherige Langstreckenflugzeuge. Er kann mit einer Tankfüllung 15.000 Kilometer weit fliegen. Ist die Maschine voll besetzt, verbraucht das Flugzeug pro Passagier auf 100 Kilometer weniger als drei Liter Treibstoff.

Die Verzögerung bei der A380-Auslieferung führen bei EADS ab 2007 zu Ergebnisausfällen. Die Beiträge des Großraumfliegers zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werden im Zeitraum 2007 bis 2010 um jährlich 500 Millionen Euro geringer ausfallen, so EADS. Aufgrund des neuen Zeitplans mögliche Abbestellungen seien in dieser Prognose nicht enthalten. Eine Änderung der Ebit-Prognose für das laufende Jahr sei nicht zu erwarten.

itz/dpa/ddp/Dow Jones



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Joachim Baum 27.04.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Heckflosse so hoch wie das Brandenburger Tor, ein Elefant wirkt winzig dagegen: Mit dem Airbus 380 beginnt eine neue Dimension der Gigantomanie in der Luftfahrt. Zu erwartende lange Boardingzeiten und heikle Sicherheitsszenarien für den Riesenflieger dämpfen bei manchen die Vorfreude. Möchten Sie mit dem neuen A 380 fliegen? Fasziniert Sie die Technik oder schreckt sie eher ab? ---Zitatende--- Ich warte erst mal ab, ob er heute wieder heil runterkommt ...
Dominik Menakker, 27.04.2005
2. Fahr doch Fahrrad!
Ach, sind wir wieder soweit? Alles neue ist per se Wahnsinn. Was wir nicht kennen macht uns Angst? Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. Ach ja, und zur Hauptfrage. Natürlich freue ich mich auf den Vogel. Jeder der viel und gerne fliegt wird das tun.
DJ Doena 27.04.2005
3.
Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas". Was ich bedauerlich am neuen 380 finde, ist, dass die Fensterchen wieder verdammt klein zu sein scheinen. Herrje, es muss doch möglich sein, ein Flugzeug zu konstruieren, dass mehr als nur diese Bullaugen zum rausgucken hat...
Peter Jelinski, 27.04.2005
4.
---Zitat von DJ Doena--- Ich habs in meinem Leben bisher nur in verschiedene Boings geschafft, noch nie in einen Airbus, aber wenn es um den Wettstreit Europa vs. USA geht, dann steh ich natürlich voll und ganz auf dem Boden des "alten Europas" ---Zitatende--- Mir geht es genauso. Ich brauche noch den 747 um alle Boeing Modelle zu kennen, und hoffe bald in einem Airbus zu sitzen.
webwiese, 27.04.2005
5.
---Zitat von Dominik Menakker--- Die Franzosen sind stolz wie Oskar, wenn ihr Riesenbaby heute abhebt. Die Deutschen prozessieren gegen eine Startbahn. Es ist mal wieder soooooooo typisch. ---Zitatende--- Kann Ihnen nur 100%ig zustimmen. Wann hören wir endlich auf, ständig das Miese zu suchen? Wir preisen den Technologiestandort und stellen gleichzeitig seine Ergebnisse in Frage! Thema: Einen vor und zwei zurück! Zur Sache: Der A380 ist die konsequente Fortführung der Flugzeugtechnologie. Mit steigendem Flugverkehr werden auch größere und rationalere Flugzeuge gebraucht. Waren es nicht die Saudis, die schon vor dem Jungfernflug nach noch größeren Fliegern gerufen haben? Ich wünsche Airbus viel Erfolg, auch - und gerade - um im Wirtschaftswettkampf mit unseren "Freunden" aus den USA nachwievor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Gruß Christian Wiese
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