Prognose der Arbeitsagentur Fachkräfte bleiben von Krise großteils verschont

Die Wirtschaftskrise bedroht vor allem mittlere und untere Lohnschichten: Die Bundesagentur für Arbeit sagt für 2009 trotz Rezession einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften voraus. Allerdings wird der Wettbewerb durchaus härter - Experten erwarten insgesamt deutlich mehr Arbeitslose.


Berlin - Wer hochqualifiziert ist, muss sich wenig Sorgen machen: Trotz der Wirtschaftskrise bleiben Fachkräfte nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch im kommenden Jahr gefragt. In Branchen wie der Informationstechnologie und im Maschinenbau würden auch 2009 qualifizierte Mitarbeiter gebraucht, sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise der Nachrichtenagentur AP.

Applikationsingenieur bei Carl Zeiss SMS in Jena: Bei der Einstellung von Fachkräften "wird es eine Besten-Auswahl sein"
DPA

Applikationsingenieur bei Carl Zeiss SMS in Jena: Bei der Einstellung von Fachkräften "wird es eine Besten-Auswahl sein"

Weise schränkte allerdings ein, bei der Einstellung von Fachkräften werde es "eine Besten-Auswahl sein". Denn wenn die Zahl der Stellen geringer werde und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit steige, suchten sich die Unternehmen natürlich die qualifiziertesten Bewerber aus. Einen nach wie vor hohen Bedarf an Mitarbeitern gibt es Weise zufolge in

  • Bayern,
  • Baden-Württemberg,
  • Sachsen und
  • Teilen Thüringens.

Er teile auch noch nicht den allgemeinen Konjunkturpessimismus. "Wenn die Bankenkrise nicht zu einer völligen Verknappung von Kapital führt, gibt es eine gute Chance, dass der solide Mittelstand genügend Aufträge hat, um die Stammbeschäftigung zu halten", sagte Weise.

Experten warnen vor 600.000 zusätzlichen Arbeitslosen

Wichtig sei, dass die Wirtschaftskrise nicht länger als eineinhalb Jahre dauere - so lange haben Betriebe von 2009 an Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Dauere die Krise länger, könne es eng werden. Im November waren bei der Bundesagentur für Arbeit 539.000 offene Stellen gemeldet und damit 30.000 weniger als im November 2007.

Allerdings teilen nicht alle Wirtschaftsexperten Weises vorsichtigen Optimismus. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat einen rezessionsbedingten Anstieg der Arbeitslosenzahl um fast 600.000 prognostiziert. Außerdem sagte RWI-Präsident Christoph Schmidt voraus, dass viele Beschäftigte im Laufe des kommenden Jahres die Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt auch in ihrem Portemonnaie spüren werden.

Zwar profitierten die Arbeitnehmer vorläufig noch von den recht hohen Tarifabschlüssen des Jahres 2008 und den niedrigen Inflationsraten. Doch letztlich werde ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen in vielen Unternehmen nur möglich sein, wenn es gleichzeitig gelinge, die Kosten der Firmen zu reduzieren, sagte Schmidt. Dazu müssten die Gewerkschaften eventuell bereit sein, nicht nur über einen Verzicht auf Lohnzuwachs, sondern sogar über Lohnverzicht zu diskutieren.

25 Milliarden Euro für neues Konjunkturpaket

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erwartet für 2009 einen deutlichen Rückgang der Einstellungen auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer hält für dieses Jahr einen Anstieg um rund 400.000 auf rund acht Millionen für möglich, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Für 2009 prognostizierte er: "Selbst im schlechtesten Fall, bei einem deutlichen Rückgang des Inlandsprodukts, könnten bis zu sechs Millionen neue Beschäftigungsverhältnisse entstehen." Allerdings seien darin auch kurzzeitige Anstellungen enthalten.

Um den erwarteten Einbruch des Wirtschaftswachstums abzufedern, plant die Bundesregierung ein zweites Konjunkturpaket. Es soll nach neuen Informationen allerdings nur 25 Milliarden Euro umfassen und würde damit kleiner ausfallen als zunächst erwartet - bislang war von bis zu 40 Milliarden die Rede. Grund soll die Sorge vor zu viel Neuverschuldung sein. Endgültige Beschlüsse dazu werden erst im Januar fallen.

sam/AP/ddp

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