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02. Juli 2009, 16:12 Uhr

Prognose

Hightech-Konzerne erwarten erstes Krisenjahr seit Dotcom-Crash

Schlechte Aussichten für die IT-Industrie: Der Dachverband Bitkom rechnet für 2009 mit einem Umsatzminus von 2,5 Prozent. Besonders große Einbußen erwartet die Branche im Boom-Markt der LCD-Fernseher.

Berlin - Die deutsche IT-Branche gilt gemeinhin als recht krisenresistent. Ihr letztes Umsatzminus verbuchte sie 2002, zwei Jahre nach dem spektakulären Platzen der Dotcom-Blase. Die aktuelle Rezession aber ist offenbar zu tief: Der Dachverband der Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom prognostiziert für 2009 ein kräftiges Minus.

LCD-Bildschirme auf der Cebit: Schmerzhafter Preisverfall
DDP

LCD-Bildschirme auf der Cebit: Schmerzhafter Preisverfall

Im laufenden Jahr dürften die Erlöse um 2,5 Prozent auf 141 Milliarden Euro sinken, teilte Bitkom am Donnerstag in Berlin mit. Noch vor kurzem hatte der Verband stagnierende Geschäfte angepeilt. Jetzt räumte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer ein: "Die Wirtschaftskrise geht an der deutschen Hightech-Industrie nicht spurlos vorbei."

Vor allem die erfolgsverwöhnte Branche für digitale Unterhaltungselektronik bekommt nach den Prognosen im laufenden Jahr einen Dämpfer. Erstmals seit Jahren muss sie sich auf schrumpfende Umsätze einstellen. Bitkom rechnet für die Sparte mit einem Minus von 6,5 Prozent. 2008 hatte sie noch ein kräftiges Plus eingefahren.

Der Sektor leidet vor allem unter sinkenden Preisen. Nach Bitkom-Schätzung werden 2009 zwar erstmals mehr als sieben Millionen Flachbildschirme verkauft. Gleichzeitig aber sei der Durchschnittspreis für LCD-Fernseher im ersten Quartal binnen Jahresfrist um fast ein Fünftel gesunken.

Die beiden großen Standbeine der Branche, die Informationstechnik und die Telekommunikation, entwickeln sich laut Bitkom uneinheitlich. In der IT dürften die Umsätze um 2,2 Prozent auf knapp 65 Milliarden Euro sinken, im kommenden Jahr dann wieder um 1,3 Prozent anziehen. Während sich Privatkunden mit ihrem Konsum in der Krise kaum zurückhalten, sind Unternehmen laut Bitkom vorsichtiger geworden und verschieben IT-Investitionen. Der Hardware-Markt dürfte demnach um sieben Prozent einbrechen, auch bei Software sei ein Minus zu erwarten.

Das größte Wachstum von sechs Prozent erwartet die Branche bei Outsourcing-Services, wenn Firmen Dienstleistungen auslagern. "In der Krise sind IT-Lösungen gefragt, mit denen Unternehmen effizienter werden und Kosten sparen können", sagte Scheer.

Im zweiten Kernmarkt, der Telekommunikation, prognostiziert Bitkom für dieses Jahr ein Umsatzminus von zwei Prozent auf 64,5 Milliarden Euro. 2010 sei ein Rückgang von 0,7 Prozent zu erwarten. Die Sparte steht weiter unter Preisdruck. Der Markt für Telefongespräche im Festnetz dürfte weiter schrumpfen. Auch der Markt für Mobilfunkgespräche werde trotz steigender Nutzerzahlen an Umsatz verlieren. Dagegen boomen mobile Datendienste für Musik und Videos.

Scheer beeilte sich allerdings zu betonen, dass die IT- und Telekommunikationsbranche unter der schweren Rezession weit weniger leidet als andere Industrien. Bereits 2010 erwarte man wieder ein leichtes Plus von 0,3 Prozent auf 141,4 Milliarden Euro.

ssu/Reuters

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