Nach Bericht zu Bezos, Musk und Co. US-Regierung sucht Quelle von Steuerdaten-Leaks

Ein Medienbericht offenbart, wie – teils lächerlich – wenig Steuern Amerikas Superreiche zuletzt gezahlt haben. Nun will die US-Steuerbehörde untersuchen, wie ihre Daten an die Öffentlichkeit gelangen konnten.
100-Dollar-Scheine (Archivbild): Wie viel Steuern haben Amerikas Superreiche in den vergangenen Jahren gezahlt?

100-Dollar-Scheine (Archivbild): Wie viel Steuern haben Amerikas Superreiche in den vergangenen Jahren gezahlt?

Foto: KIM HONG-JI/ REUTERS

Die US-Steuerbehörde IRS will ermitteln, wie brisante Daten von Superreichen wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Warren Buffett an die Öffentlichkeit geraten konnten. »Ich kann bestätigen, dass es eine Untersuchung gibt«, sagte IRS-Chef Charles Rettig bei einer Senatsanhörung in Washington.

Die unautorisierte Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen sei illegal, erklärte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

Die Investigativ-Plattform »Propublica«  hatte zuvor Ergebnisse einer Recherche veröffentlicht, die ihren Angaben zufolge auf anonym zugespielten IRS-Daten zu den Einkommen, Vermögen und Steuerabgaben der reichsten Amerikaner basiert. Die Informationen sollen zeigen, wie geringe Beiträge viele extrem Wohlhabende in den USA gemessen an ihren immens hohen Vermögen an den Fiskus zahlen müssen – und wie sehr sie von legalen Steuerschlupflöchern profitieren können.

  • Zum Beispiel Bezos: Das Vermögen des Amazon-Gründers ist in den Jahren 2014 bis 2018 regelrecht explodiert. Es stieg in dieser Zeit laut »Propublica« um 99 Milliarden Dollar. Steuern zahlte der Unternehmer in dieser Zeit allerdings lediglich in Höhe von 973 Millionen Dollar, das macht einen schmalen durchschnittlichen Steuersatz von 0,98 Prozent.
    Bemerkenswert: Im Jahr 2011 rechnete sich Bezos selbst »bedürftig«: Weil er laut Steuererklärung mehr ausgab als einnahm, konnte er laut »Propublica« sogar eine Gutschrift von 4000 Dollar für seine Kinder einstreichen.

  • Zum Beispiel Musk: Der Tesla-Chef hat zuletzt nur 455 Millionen Dollar bezahlt, obwohl sein Vermögen um satte 13,9 Milliarden Dollar gewachsen ist.

  • Zum Beispiel Buffett: Auf seinen Vermögensgewinn von 24,3 Milliarden Dollar zahlte er gerade einmal 0,1 Prozent Steuern.

Buffett reagierte mit einer ausführlichen Erklärung auf die Datenleaks und erklärte, dass er vorhabe, quasi sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke zu stiften. Er glaube, dass sein Geld so nützlicher für die Gesellschaft sei. Buffett bekräftigte aber auch seine Unterstützung für ein faireres Steuersystem zum Abbau von Vermögensungleichheiten in der Bevölkerung. Bezos war laut »Propublica« nicht bereit, Stellung zu beziehen. Musk habe auf eine Anfrage lediglich mit »?« geantwortet und dann nicht mehr reagiert.

Die Enthüllungen schlagen in den USA hohe Wellen, zeigen letztlich aber vor allem den Effekt einer lange bekannten und umstrittenen Eigenschaft des Steuersystems auf. So ergibt sich der Reichtum von Milliardären wie Bezos und Co. anders als bei den meisten Bürgern meist weniger aus ihren Einkommen, sondern aus den Wertsteigerungen von Vermögen wie Aktien. Die werden aber – außer ihren Dividenden – erst bei einem Verkauf besteuert. Zudem kann die Steuerlast etwa durch Kredite oder Investmentverluste kleingerechnet werden.

aar/dpa
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