Prora auf Rügen Ein Denkmal wird verkauft

Jahrzehntelang stand die von den Nazis errichtete Urlaubsfabrik Prora auf Rügen leer, dann wurde sie zum Spekulationsobjekt. Investoren haben Luxuswohnungen eingerichtet: Jetzt soll auch der letzte Block verkauft werden.
Nazi-Urlaubsfabrik Prora

Nazi-Urlaubsfabrik Prora

Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

20.000 Menschen gleichzeitig sollten nach Vorstellung der Nazis in der "Kraft-durch-Freude"-Urlaubsfabrik Prora auf Rügen Ferien machen - fertiggestellt wurde der Mammutbau jedoch nie. Jahrzehntelang gammelte die fast fünf Kilometer lange Betonburg vor sich hin, bis Investoren die Chance witterten, viel Geld zu verdienen.

Unterstützt vom Staat, der für Eigentumswohnungen in dem Denkmal großzügige Steuerabschreibungen erlaubt, entstehen seit ein paar Jahren Block für Block Hunderte teils luxuriöse Apartments mit Quadratmeterpreisen von bis zu 10.000 Euro, dazu Ferienanlagen und ein Hotel.

Die Übernahme durch gut betuchte Anleger stößt allerdings auf Widerstand auf Rügen. Bis auf den nördlichsten Block 5 (von Block 6 und 7 sind im Wesentlichen nur noch Trümmer geblieben) sind alle Teile von Prora an Privatinvestoren verkauft. Über diesen letzten Block wird auf der Insel jetzt gestritten. Jüngst ebnete der Kreistag von Vorpommern-Rügen den Weg für den Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Teils - gegen die Stimmen von Grünen, der Linken und 15.000 Unterzeichnern einer Online-Petition.

Die Gegner fordern, dass Block 5 in öffentlicher Hand bleibt - für die künftige Nutzung gibt es unterschiedliche Ideen. Die Jugendherberge mit mehr als 400 Betten, die vor fünf Jahren im sanierten Teil eröffnete, soll bleiben. Einziehen soll zudem das Dokumentationszentrum über die Geschichte Proras - das bald aus dem verkauften Block 3 ausziehen muss. Gewünscht ist zudem der Ausbau zu einem Ort der Begegnung, Kultur und Bildung.

Für all das fehlt dem Landkreis das Geld - und auch der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern haben abgewinkt. Die Zukunft von Block 5 in der Nachbarschaft von Luxusurlaubern ist - wieder einmal - ungewiss.

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Prora: Nazi-Urlaubsfabrik wird zum Spekulationsobjekt

Foto: Stefan Sauer/ dpa
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