ProSiebenSat.1 Senderchef Jocic geht schon wieder

Er war der jüngste Senderchef, und auch bei der Amtsdauer besteht Rekordverdacht. Nach eineinhalb Jahren geht ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Jocic wieder. Der Springer-Verlag hat indes noch immer keine Stellungnahme zur Übernahme des Senders vorgelegt - bis heute Nacht ist noch Zeit.


Bonn/Berlin - Die Begründung war die gleiche, mit der auch Vorgänger Nicolas Paalzow vor eineinhalb Jahren vor die Tür gesetzt wurde. ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Dejan Jocic verlasse den Sender wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Ausrichtung", hieß es heute bei dem Fernsehsender. Sein Nachfolger werde der bisherige Kabel-Eins-Chef Andreas Bartl.

Ex-Geschäftsführer Jocic: Setzte vergeblich auf Reality-Shows
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Ex-Geschäftsführer Jocic: Setzte vergeblich auf Reality-Shows

Die freundliche Umschreibung steht für die relativ glücklosen Versuchen des mit 33 Jahren jüngsten deutschen Senderchefs, mit einer Reihe von umstrittenen Reality-Shows Zuschauer zu gewinnen. Die Sendung "Hire and fire - der beste Job der Welt" wurde nach nur einer Ausstrahlung wieder abgesetzt. Auch die eigenproduzierte Serie "Alles außer Sex", mit der Jocic große Erwartungen verknüpft hatte, entwickelt sich schwach.

Der Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern von ProSieben war im November im Vorjahresvergleich nach Konzernangaben von 12,3 auf 11,4 gefallen und damit hinter dem Sender Sat.1 zurückgeblieben. Vorstandschef Guillaume de Posch sagte, der neue Sender-Chef Bartl solle nun "ProSieben als Premium-Marke für junges Entertainment weiter stärken". Eine Nachfolger für die Leitung von Kabel Eins solle in den kommenden Wochen gefunden werden.

"Wir können Interesse nicht verleugnen"

Unterdessen läuft die Frist, innerhalb derer der Springer-Verlag sich bezüglich der Bedenken des Bundeskartellamts bei der Übernahme des Senders äußern darf, heute Nacht um 24 Uhr aus. Doch Springer tut sich offenbar schwer, die erheblichen Bedenken der Behörde aus dem Weg zu räumen - zumindest liegt bisher keine Stellungnahme vor, wie eine Sprecherin des Kartellamts bestätigte. Der Konzern werde sich aber an die vorgegebenen Fristen halten, gab sie sich sicher.

Ein anderer Interessent für ProSiebenSat.1 steht derweil schon in den Startlöchern: Bei der französischen Television Francaise TF 1 SA hieß es heute: "Wir verfolgen die Änderungen in der Kapitalstruktur bei ProSieben und können ein Interesse an der Situation nicht leugnen."

Das Kartellamt muss bis 27. Dezember über die Übernahme entscheiden. Axel Springer will den Sender für 2,5 Milliarden Euro vom US-Investor Haim Saban kaufen. Der Verlag gibt mit "Bild" die größte deutsche Tageszeitung heraus und erreicht damit jeden Tag Millionen Leser. Eine führende Rolle nimmt der Konzern auch bei Publikums- und Programmzeitschriften ein. Darüber hinaus ist Springer an mehreren großen deutschen Privatradios beteiligt und betreibt Online-Angebote.



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