Protest gegen Arbeitsplatzverlagerung Märklin-Belegschaft blockiert Weihnachtsproduktion

Erneut gerät ein deutsches Traditionsunternehmen in Bedrängnis: Mitarbeiter blockierten die Werkstore des Modelleisenbahnherstellers Märklin, aus Protest gegen die geplante Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Ostdeutschland und Ungarn. Mitten in der Hochsaison vor dem Weihnachtsgeschäft steht die Produktion still.


Güterlok von Märklin: Verhandlungen über den Erhalt von 700 Arbeitsplätzen
DPA

Güterlok von Märklin: Verhandlungen über den Erhalt von 700 Arbeitsplätzen

Stuttgart - Die Märklin-Mitarbeiter protestieren mit der Blockade gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau. Etwa 800 der derzeit 1100 Mitarbeiter hätten ihren Arbeitsplatz verlassen, sagte Betriebsratschef Franz Jordan. "Die Belegschaft entscheidet, wie lange die Proteste weitergehen".

Der weltweit größte Modellbahnhersteller will wegen zu hoher Kosten 400 Arbeitsplätze am Standort Göppingen abbauen. Montagearbeiten würden an die Produktionsstandorte im thüringischen Sonneberg, in Ungarn sowie nach Nürnberg verlagert, hatte das Unternehmen Ende September erklärt.

Nach Angaben der IG Metall hatte es am Montag Sondierungsgespräche mit der Geschäftsleitung gegeben. "Dabei ist noch einmal ganz klar geworden, dass es aus Sicht der Geschäftsleitung ohne den Abbau der 400 Arbeitsplätze nicht geht", sagte IG Metall Bevollmächtigte Renate Gmoser am Dienstag. Es solle demnächst einen Termin für Gespräche über den Sozialplan geben. Zusätzlich habe die Geschäftsführung jedoch angedeutet, dass auch die verbleibenden 700 Mitarbeiter möglicherweise Zugeständnisse machen müssten, um ihre Arbeitsplätze in Göppingen zu sichern.

Märklin-Geschäftsführer Paul Adams kritisierte den Konfrontationskurs von IG-Metall und Betriebsrat. "Alles, was jetzt hier läuft, ist emotional belegt und es wird versucht, diese Emotionen zu schüren", sagte er gegenüber der "Stuttgarter Zeitung". Noch hätten die Verhandlungen gar nicht begonnen. Ihm gehe es darum, die 700 Arbeitsplätze in Göppingen zu sichern. "Was jetzt von Seiten der Gewerkschaft kommt, das sind alles verkürzte Darstelllungen. Wenn wir genau wissen, wo wir stehen, können wir über vieles reden."

Der Umsatz der Gruppe betrug 2002 170,5 Millionen Euro. Die Zahlen für 2003 sollen am 19. Oktober in Stuttgart vorgelegt werden.



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