Protest gegen Globalisierung Wie die G-8-Kritiker die Welt umbauen wollen

Von

3. Teil: Global Marshall Plan Initiative - Eine alte Idee wird globalisiert


Sehr konkret ist die Kritik der "Global Marshall Plan Initiative", die zuerst von dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore entwickelt wurde: "Im derzeitigen Weltwirtschaftssystem gibt es keine ausreichenden Spielregeln, die auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen", sagt Frithjof Finkbeiner, Deutschland-Koordinator des "Global Marshall Plan". Obwohl alle erfolgreichen Gesellschaften nach dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft funktionierten, werde es bislang nicht global umgesetzt. "Uns fehlt eine Art Weltdemokratie, die solche Spielregeln entwickeln und durchsetzen könnte", so Finkbeiner.

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore: Pocht auf einen neuen Marshall-Plan für Entwicklung
AP

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore: Pocht auf einen neuen Marshall-Plan für Entwicklung

Zwar gebe es verschiedene internationale Organisationen und Gremien wie etwa die Welthandelsorganisation (WTO), die Weltbank, die internationale Arbeitsorganisation (ILO) oder das Umweltprogramm der Uno (UNEP). "Aber es gibt keine kohärenten Gesetze und Regeln dieser Organisationen, die zusammenpassen", kritisiert Finkbeiner. Das heißt konkret: Standards der ILO - zum Beispiel die Ächtung von Kinder- oder Sklavenarbeit - sind für die WTO nicht bindend oder widersprechen den Gesetzen der Welthandelsorganisation sogar. Gleichzeitig ist die WTO die einzige Organisation, die eine Exekutive und eine Gerichtsbarkeit hat, mit der sie ihre Standards und Ziele durchsetzen kann.

Der "Global Marshall Plan" fordert deshalb eine weltweite Marktwirtschaft mit verbindlichen sozialen, ökologischen und kulturellen Standards und eine intelligente Kopplung der Regelwerke von Uno, WTO, ILO, Unep, Weltbank und Internationalem Währungsfonds. "Wir haben zwei Möglichkeiten, das umzusetzen: Entweder wird die WTO insgesamt verantwortlich für die Einhaltung aller Standards, was aber angesichts des weltweit schlechten Images der Organisation schwer ist", sagt Finkbeiner. "Oder wir schaffen eine Art Weltministerien für Arbeit und Umwelt und statten sie mit gleichen Exekutivrechten aus."



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.