Protest gegen Transrapid-Verlängerung Shanghaier rufen Merkel um Hilfe an

Die Bewohner wurden wie so oft nicht gefragt: Für den Ausbau der Transrapid-Strecke in Shanghai hat die chinesische Regierung im Eiltempo mit der Umsiedlung Tausender Familien begonnen. Doch die Bürger wehren sich ungewohnt vehement - jetzt schrieb eine Gruppe an Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Peking/Berlin - In dem Brief, aus dem der "Tagesspiegel" zitierte, heißt es: "Das Transrapidprojekt beschneidet die grundlegenden Menschenrechte der Shanghaier, weil hier die Gesundheits- und Existenzrechte ignoriert werden." Nach Angaben der Autoren stehen mehr als 1000 Bewohner der Tianyizou-Wohnanlage im Stadtteil Pudong hinter dem Appell. Da der Abstand zwischen den Wohnhäusern und der Magnetbahn nur noch 22,5 Meter betragen soll und damit deutlich geringer als bei der bestehenden Strecke zum Flughafen wäre, sorgen sich die Anwohner um ihre Sicherheit und Gesundheit.

Transrapid in Shanghai: "Wir hoffen von ganzem Herzen, dass sie uns allen helfen können"
DPA

Transrapid in Shanghai: "Wir hoffen von ganzem Herzen, dass sie uns allen helfen können"

Obwohl die nötigen Verträge mit dem Herstellerkonsortium aus ThyssenKrupp und Siemens noch gar nicht unterschrieben sind, treibt die chinesische Regierung die Vorbereitungen für den Ausbau der einzigen kommerziellen Transrapid-Strecke seit einiger Zeit massiv voran. In mehreren Wohnvierteln laufen Umsiedlungsaktionen, die teils schon bis Mai abgeschlossen sein sollen. Tausende Familien sind betroffen.

Die, die ihre Wohnungen nicht verlassen müssen, fürchten den zusätzlichen Lärm und ein Wertverlust ihrer Wohnungen, wie der Brief an Merkel zeigt. "Sie wissen vielleicht mehr als wir über die Lärmbelästigung durch den Transrapid und den Schaden durch das elektronische Magnetfeld", heißt es dort. "Wir hoffen von ganzem Herzen, dass sie uns und allen, die entlang der Transrapidstrecke leben, helfen können."

Vor dem Schreiben hat sich schon im Internet breiter Protest gegen die Streckenverlängerung geregt. Es gibt eine eigene Anti- Transrapid-Seite (www.no-cf.org). Die Sicherheit der Anwohner dürfe nicht ignoriert werden, heißt es in einem anderen Forum, oder: "Wenn es noch mehr Krach durch den Transrapid gibt: Wie können wir dann leben?" Informationen fehlten vollkommen. "Die Regierung klärt uns nicht über ihre Pläne auf." Die neue Strecke soll bis 2009 die Flughäfen Pudong und Hongqiao verbinden. Informationen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge sollen die Verlängerungsarbeiten über 37 Kilometer bis Ende des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Alle wichtigen Genehmigungen lägen bereits vor. Die offizielle Eröffnung sei zur Weltausstellung 2010 geplant.

ase/dpa



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