Prozess Gebauer droht VW mit Schadensersatzklage

Im Streit zwischen dem Volkswagen-Konzern und dem entlassen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer gibt es keine Einigung. Das Arbeitsgericht vertagte die Güteverhandlung nach wenigen Minuten.


VW in Wolfsburg: "Das nennt man im Volksmund Schmiergeld"
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VW in Wolfsburg: "Das nennt man im Volksmund Schmiergeld"

Braunschweig/Frankfurt am Main - Das Arbeitsgericht Braunschweig setzte nach dem erfolglosen Gütetermin die Verhandlung heute für den 17. November an. Volkswagen Chart zeigen hatte Gebauer im Juni fristlos entlassen, weil er nach Darstellung des Unternehmens ein weltweites Netz von Tarnfirmen mit aufgebaut haben soll, um sich zum Nachteil von VW persönlich zu bereichern.

Gebauer habe zusammen mit dem früheren Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, ein Netz von Tarnfirmen errichtet, begründete der Leiter der VW-Rechtsabteilung, Michael Ganninger, die fristlose Kündigung. Zudem habe Gebauer sich von einem tschechischen Dienstleister, dessen Rechnungen auf Veranlassung Gebauers von VW gezahlt wurden, einen fünfstelligen Betrag auf sein Privatkonto überweisen lassen. "Das nennt man im Volksmund Schmiergeld", sagte Ganninger.

Gebauer droht mit Schadensersatz

Der 62-jährige Ex-Manager bestreitet diese Vorwürfe. Er wehrt sich gegen seinen fristlosen Rausschmiss und will eine fristgemäße Kündigung erreichen. Der Gütetermin war in dem Verfahren gesetzlich vorgeschrieben. Gegen Gebauer und Schuster ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug.

Gebauer und sein Anwalt, der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, wollten sich zu den konkreten Vorwürfen noch nicht äußern. Sie hätten von den Details erst am Montag aus der Presse erfahren. Kubicki sah im Vorgehen der VW-Anwälte vor Gericht die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletzt und wollte künftige Schadensersatzklagen nicht ausschließen.

Parteiinterne Kritik an Kubicki

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche zweifelt an der vollständigen Aufdeckung der Volkswagen-Affäre. Die Verflechtungen seien so vielfältig, dass möglicherweise auch Gebauer nicht alles auf den Tisch lege, sagte das VW-Aufsichtsratsmitglied Hirche der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Ich will, dass nicht nur möglichst viel, sondern alles aufgedeckt wird. Doch ich bezweifle, dass das gelingt", sagte Hirche. Dass sein FDP-Parteifreund Kubicki Gebauer als Anwalt vertrete, sei "eine pikante Situation", sagte der Minister. "Ich persönlich halte nichts davon, dass Politiker derartige Mandate übernehmen."



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