Prozess Moorhuhn-Manager vor Gericht

Sechs Ex-Manager des Computerspiele-Herstellers Phenomedia müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Bochum verantworten. Die Liste der Vergehen, die ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft ist lang: Dazu gehören Betrug, Untreue, Urkundenfälschung, Insiderhandel sowie Steuerhinterziehung - und Erpressung.

Bochum - Auf der Anklagebank sitzen unter anderem der frühere Vorstandschef Markus Scheer, zwei Finanzvorstände und Manager von Tochterfirmen. Den ersten Schwindel mit falschen Angaben sollen die New-Economy-Manager bereits bei der Erstellung des Prospekts zum Börsengang 1999 begangen haben. Später folgten Scheinbuchungen in Höhe von insgesamt 15 Millionen Euro. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen sie dann vor Bekannt werden des Betruges Aktienpakete verkauft und damit Millionengewinne gemacht haben. Im Zusammenhang mit den Bilanzfälschungen hatten Vorstandschef Scheer und Finanzchef Björn Denhard das Unternehmen verlassen müssen.

Phenomedia   selbst hat das Abenteuer nur mit knapper Not überstanden. Inzwischen können sich die Mitarbeiter wieder auf das konzentrieren, was ihr eigentliches Geschäft ist: das Erfinden von Videospielen wie dem sensationell erfolgreichen "Moorhuhn". Mit der Insolvenz des einst am Neuen Markt notierten Unternehmens haben sie nichts mehr zu tun.

Dem Phenomedia-Insolvenzverwalter Wulf-Gerd Joneleit war im Sommer eine so genannte übertragende Sanierung gelungen. Mit der deutschen AK Tronic und zwei niederländischen Wagniskapitalgesellschaften hat er Investoren gefunden, die das Spielegeschäft der alten Phenomedia AG kauften. Seit 1. Juli 2004 sind "Moorhuhn" und Schaf "Sven" somit bei der Phenomedia Publishing GmbH angesiedelt. Trotz der großen Unsicherheit schafften es die Mitarbeiter, ihre Kreativität zu erhalten. In den vergangenen Monaten entwickelten sie unter anderem neue Spiele zu zwei Kinohits: Ottos "Sieben Zwerge - Männer allein im Wald" und Bully Herbigs "(T)Raumschiff Surprise".

Der Sprecher der neuen Phenomedia, Tom Putzki, sieht auch bilanziell keine Belastung mehr aus der Vergangenheit. In diesem Jahr werde die Phenomedia Publishing GmbH schwarze Zahlen schreiben, sagte er. "Für das Moorhuhn droht keine Gefahr", fügt er hinzu. Höchstens natürlich auf dem Bildschirm durch die weiterhin schießwütigen Freunde des Videospiels, für das einige neue Versionen entwickelt wurden.

Insolvenzverwalter Joneleit hat seit Beginn seiner Tätigkeit für die Phenomedia AG mit ihren einst 100 Mitarbeitern mehrere Tochterunternehmen verkauft oder liquidiert. Am Markt aktiv ist laut Putzki auch noch die frühere Phenomedia-Tochter Mobile Scope AG mit Sitz in Meersburg. Sie entwickelt Handyspiele und wurde durch einen Management-Buy-Out gerettet.

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