Prozess Russische Oligarchen bekriegen sich vor Gericht

Ein reicher Russe verklagt den anderen: Vier Milliarden Dollar fordert Aluminium-Papst Michael Cherney von Oleg Deripaska. In seiner Heimat müsste Kläger Cherney um sein Leben fürchten - deshalb wird der Fall in England verhandelt.


Hamburg - Mord, Gefängnis, korrupte Richter - einen fairen Prozess könnte Michael Cherney nach eigener Ansicht nicht erwarten, wenn seine Klage in Russland vor Gericht käme. Deshalb stimmten die Briten zu, den Fall in London zu verhandeln. Die Argumente des Klägers erschienen den Richtern schlüssig. Der Russe Michael Cherney fordert vier Milliarden Euro von seinem Ex-Geschäftspartner und Putin-Freund Oleg Deripaska, weil der ihn bei früheren Geschäften übervorteilt haben soll.

Oleg Deripaska: Alle Ansprüche abgegolten
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Oleg Deripaska: Alle Ansprüche abgegolten

Cherney ist einer der Gründungsväter der russischen Aluminium-Industrie. Gemeinsam mit Deripaska wurde er nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit Metall reich - beide Oligarchen besaßen Anteile am Aluminium-Konzern Sibal.

Deripaska und Cherney sollen sich im März 2001 in dem Londoner Lanesborough Hotel getroffen haben, um den Aluminium-Konzern Sibal mit dem Aluminium-Imperium von Roman Abramowitsch zu fusionieren. Daraus ging der Konzern Rusal hervor, an dem Deripaska 66 Prozent der Anteile hält. In einem Teil der Vereinbarung sollen Cherney 250 Millionen Dollar garantiert worden sein.

Zudem sollte Deripaska fünf Jahre lang einen 20-Prozent-Anteil an Rusal treuhänderisch für Cherney verwalten. Laut Cherney habe man vereinbart, dass Deripaska Cherney den Wert der Aktien abzüglich der 250 Millionen Dollar dann auszahlt. Deripaska gibt die Vereinbarung zu, behauptet jedoch, mit den 250 Millionen Dollar seien alle Ansprüche abgegolten.

Deripaskas Vermögen wird derzeit auf rund 40 Milliarden Dollar geschätzt. Für den Milliardär kommt der Prozess zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt, da er gerade einen großen Coup vorbereitet: Rusal soll mit Norilsk Nickel, dem weltgrößten Nickel-Hersteller, fusionieren.

Zudem will Deripaska seinen Konzern an die Börse bringen. Wegen der strengen Regelungen an der London Stock Exchange hat er die Firma vorsorglich lieber erstmal an der Börse in Hong Kong listen lassen. "Der Prozess könnte seine Pläne auf dem Kapitalmarkt verzögern, das ist schlecht für ihn", sagte ein Analyst.

Egal wie der Prozess ausgeht, russische Geschäftleute auf der ganzen Welt beobachten ihn besonders aufmerksam. Deripaska ist mit gerade einmal 40 Jahren einer der jüngsten russischen Oligarchen. Er hält weltweit Beteiligungen an Unternehmen - auch am deutschen Baukonzern Hochtief.

cvk



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