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06. September 2006, 11:48 Uhr

"Puff-Police"

Hartz drohen Millionenforderungen

"Puff-Police" wurde die Manager-Haftpflichtversicherung von Ex-VW-Vorstand Peter Hartz spöttisch genannt: Sie führte dazu, dass der Versicherer AIG nach der VW-Affäre Millionen an den Autobauer zahlen musste. Nun droht die AIG, das Geld von Hartz zurückzufordern, sollte er verurteilt werden.

Frankfurt - Von Arbeitslosengeld II wird Peter Hartz wohl auch in Zukunft nicht leben müssen. Doch die VW-Affäre um Bordellbesuche und Lustreisen könnte den 65-Jährigen im Fall einer Verurteilung noch weit mehr kosten als die drohende Geldstrafe. Denn sollte Hartz nicht freigesprochen werden, wird die Versicherung AIG wohl rund 4,5 Millionen Euro von dem Ex-Volkswagen-Vorstand zurückfordern, wie die "Financial Times Deutschland" berichtet.

Ex-Personalchef Hartz: "Puff-Police" deckt nur unwissentlich verursachte Schäden
AP

Ex-Personalchef Hartz: "Puff-Police" deckt nur unwissentlich verursachte Schäden

Mit dieser Summe sei sein Versicherer für die Schäden der VW-Affäre aufgekommen, hieß es dem Bericht zufolge aus Versicherungskreise. Der Autobauerhatte so genanntes Organisationsversagen geltend gemacht. In dem als "Puff-Police" verspotteten Vertrag sei aber festgelegt, dass bei einer "wissentlichen Pflichtverletzung" Rückforderungen möglich sind.

Man habe den Schadensersatz nur bezahlt, weil Hartz versichert habe, Aufenthalte an Vergnügungsstätten stets aus eigener Tasche finanziert zu haben, hieß es aus der Versicherung. Eine Verurteilung wegen Untreue könnte frühere Aussagen von Hartz jedoch widerlegen und so die Grundlage für Rückzahlungen schaffen. Obwohl die Schadensersatzzahlungen an VW flossen, wäre es dann möglich, dass der Erfinder und Namensgeber der Arbeitsmarktreformen in diesem Fall persönlich haftbar gemacht wird.

Hartz steht in besonderer Kritik, weil er das so genannte "Vier-Augen-Prinzip" bei 35 seiner VW-Mitarbeiter abschaffte. Der damalige Betriebsratschef Klaus Volkert, Ex-Skoda-Manager Helmuth Schuster und Ex-VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer hatten die neuen Vollmachten damals ausgenutzt.

Offiziell schweigen VW und AIG zum Bericht der "FTD". Unabhängig davon, ob Hartz zahlen muss oder nicht, droht ihm bei Verurteilung eine weitere Geldstrafen und sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

bay/dpa-afx

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