Puma Expansionspläne schlagen Anleger in die Flucht

Morgens um neun Uhr war die Welt noch in Ordnung. Puma veröffentlichte sein Quartalsergebnis und die Aktie reagierte mit einem kräftigen Kursplus. Wenig später erfuhren die Anleger mehr über die mittelfristige Planung des Sportartikelherstellers.


Puma-Firmenzentrale: Experten warnen vor neuen Akquisitionen
PUMA/RALF ROEDEL

Puma-Firmenzentrale: Experten warnen vor neuen Akquisitionen

Nürnberg - Wagnisse stehen derzeit nicht sehr hoch im Kurs, auch bei dem notorisch erfolgreichen Puma-Konzern nicht. Rund 500 Millionen wollen die Herzogenausracher in den kommenden fünf Jahren ausgeben, um noch weiter zu wachsen. Der gleiche Betrag soll den Anteilseignern in Form von Dividendenerhöhungen und einem Aktienrückkauf zufließen.

Letztere Maßnahme hätte den Kurs nach vorheriger Einschätzung von Analysten wohl weiter steigen lassen. Denn der Rückkauf weiterer Anteile durch Puma stand auf der Wunschliste der Analysten.

Doch vor neuen Akquisitionen hatten die Experten im Vorfeld ausdrücklich gewarnt. Zu gering sei der Wert, den solche Einkäufe in der Sportartikel-Branche in der Vergangenheit für die Aktionäre geschaffen hätten. Konzernchef Jochen Zeitz legt zwar strenge Regeln an die Übernahmekandidaten an und will auch nicht allein um des Wachstums willen wachsen. Er hat sich aber auch zum Ziel gesetzt, bis zu zehn Prozent des Konzernumsatzes mit Produkten ohne Puma-Label zu erwirtschaften. Und fremde Marken besitzt Puma mit der 2001 erworbenen Tretorn erst eine.

Prompte Reaktion

Die Reaktion der Anleger folgte prompt. Binnen weniger Minuten nach Bekannt werden der Pläne rutschte der Kurs vom ursprünglichen Tageshoch bei 238 Euro bis auf 206 Euro. Ein wenig erholte sich das Papier anschließend wieder, doch ein kräftiges Minus bleibt. Vor allem kurzfristig orientierte Anleger hätten nach Bekanntgabe des Investitionsplans Papiere des Sportartikelherstellers verkauft, begründete ein Analyst die Kursentwicklung. Gemessen an den Erwartungen für 2005 seien die für das Folgejahr enttäuschend, meinte ein anderer Experte.

Für langfristig orientierte Anleger bleibt Puma aber durchaus ein interessantes Papier. Denn ab 2007 stellt Zeitz den Aktionären wieder zweistellige Zuwachsraten bei Umsatz und Nettoergebnis in Aussicht. Die Pläne bieten nach Meinung des Vorstandsvorsitzenden enormes Potenzial. So könnte der Umsatz des Sportartikelherstellers in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 3,5 Milliarde Euro wachsen. Wachstum will Zeitz aber auch mit Hilfe neuer Produkte schaffen. Fünf ganze Kategorien sind in den nächsten fünf Jahren geplant. Dazu gehören Golf und Zweirad-Motorsport.

Die dritte Säule der Strategie ist wieder im Sinne der Analysten: Im Zuge der regionalen Expansion will Puma die operative Steuerung des Geschäftes durch Tochtergesellschaften oder Joint Venture in wichtigen Märkten wie Japan, China, Taiwan und Indien übernehmen. "Diese Länder sollten ab 2006, also noch vor dem Auslaufen der bestehenden Lizenzvereinbarungen, konsolidiert werden", erklärte Zeitz. Puma will die Mehrheit an diesen Gemeinschaftsunternehmen halten. In Indien und Dubai wird Puma ab dem kommenden Januar eine 100-prozentige Tochtergesellschaft gründen. Die bereits bestehende Tochtergesellschaft in Südafrika solle Motor für das Wachstum auf dem gesamten afrikanischen Kontinent sein, sagte Zeitz.

Ergebnis fällt 2006 geringer aus

Die Konsolidierung in den Märkten wird den Nettoumsatz, der von Puma für 2005 bei knapp 1,7 Milliarden Euro erwartet wird, 2006 um 20 bis 30 Prozent steigen lassen. Klingt nach der "alten" Puma AG, die Investoren aufgrund ihrer enormen Steigerungsraten in der Vergangenheit zu schätzen wussten. Doch Zeitz blieb die Antwort schuldig, wie viel des erwarteten Umsatzplus organischem Wachstum und wie viel der Konsolidierung zuzuschreiben ist. Puma ließ auch keinen Zweifel daran, dass im kommenden Jahr bei den ergebnisrelevanten Kennziffern mit einem Rückgang gegenüber 2005 zu rechnen ist.

Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen für 2006 werde zunächst auf 300 Millionen bis 330 Millionen Euro absinken, das Nettoergebnis zwischen 210 Millionen und 230 Millionen erwartet. Im laufenden Geschäftsjahr geht Puma von einem Nettoergebnis zwischen 264 Millionen und 274 Millionen Euro aus.

Ein wenig kam Zeitz jedoch auch den risikoscheuen Anlegern entgegen. Das Risiko und die Abhängigkeit von den europäischen Märkten soll sinken - mittelfristig sollen nur noch 50 Prozent des Umsatzes in Europa erwirtschaftet werden, zurzeit sind es noch 70 Prozent.



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