Corona-Test-Hersteller Qiagen drückt offenbar seine Steuerlast

Öffentliche Förderung kassieren und gleichzeitig Steuern vermeiden: Der deutsche Corona-Test-Hersteller Qiagen hat Berichten zufolge mit fragwürdigen Methoden seine Einnahmen maximiert.
Produkte des Biotechnologie-Unternehmens Qiagen (Archivbild)

Produkte des Biotechnologie-Unternehmens Qiagen (Archivbild)

Foto: Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpa

Das deutsche Unternehmen Qiagen hat offenbar seine Steuerlast mittels eines Tricks um Millionensummen gedrückt. Das geht aus Analysen der niederländischen  Nichtregierungsorganisation SOMO  sowie Recherchen der "Süddeutschen Zeitung"  und des WDR  hervor.

Die Firma, die einst aus einem Start-up eines Wissenschaftlerteams der Universität Düsseldorf hervorging, gilt als deutsches Vorzeigeunternehmen. In der Coronakrise entwickelte der Biotech-Konzern in Windeseile Corona-Tests; inzwischen verkauft er diese in die halbe Welt. Die Aktie des TecDax-Konzerns hat seit Ende Januar rund 50 Prozent an Wert gewonnen. Mittlerweile gilt Qiagen als Kandidat für den Dax.

Laut "SZ" optimiert Qiagen seine Steuern wie folgt:

  • Aus Bilanzen des Konzerns sei ersichtlich, wie Schwestergesellschaften der deutschen Holding dreistellige Millionenbeträge liehen. Dafür werden den Berichten zufolge Zinsen von bis zu acht Prozent fällig - Beträge, die in Zeiten extrem niedriger Zinsen sehr unüblich seien.

  • Die Zinszahlungen ließen sich von der Steuer absetzen. Sie minderten also auf dem Papier den Profit des Unternehmens.

  • Laut "SZ" fließen Einnahmen zudem in Steueroasen wie Luxemburg, wo oft kaum Steuern fällig werden.

  • Von dort wiederum wandere das Geld über Dividenden zurück an den Mutterkonzern in die Niederlande.

SOMO, auf verschachtelte Strukturen großer Konzerne spezialisiert, schätzt, dass Qiagen mithilfe dieses Tricks seine Steuerlast seit 2010 um mindestens 93 Millionen Euro gedrückt hat.

Der Trick, den Qiagen anwendet, ist nach Angaben von Steuerexperten völlig legal und wird auch von vielen anderen Unternehmen genutzt. Das Verfahren gilt jedoch allgemein als moralisch fragwürdig. Im Falle Qiagens sei es sogar besonders problematisch, hieß es. Denn das Unternehmen habe gleichzeitig rund 20 Millionen Euro an Fördergeldern vom Bundesland Nordrhein-Westfalen und vom Bundesforschungsministerium kassiert.

Im Frühjahr gab es EU-weit eine Debatte, ob Firmen, die ihre Gewinne mit Steuertricks außer Landes schaffen, Staatshilfen bekommen sollten. In der Bundesrepublik hat diese bisher wenig bewirkt.

Qiagen selbst teilte mit, man versuche, wie viele andere Unternehmen, unter strenger Beachtung der Gesetze, die eigene "globale Steuerposition zu optimieren". Dabei versuche man stets, einen "angemessenen Ausgleich" zwischen den Interessen des Unternehmens und dem öffentlichen Interesse zu erzielen. Die Berechnungen von SOMO könne man nicht nachvollziehen. Sie basierten auf einer "rein fiktiven Berechnung".

ssu
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