Quam Totgesagte sterben doch

Der deutsche Mobilfunkbetreiber Quam steht durch den Rückzug der finnischen Sonera und der spanischen Telefonica vor dem Aus. Damit steht auch die erste von sechs milliardenteuren Lizenzen zum Betrieb eines UMTS-Mobilfunknetzes zur Disposition.


Zukunft sieht düster aus: Quam Filiale Hamburg
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Zukunft sieht düster aus: Quam Filiale Hamburg

Helsinki - Selbst das Deutsche Skispringer-Ass Sven Hannawald als Werbezugpferd konnte dem Newcomer nicht zu durchschlagender Popularität auf dem deutschen Markt verhelfen. Gerade einmal 200.000 Kunden sammelte Quam nach eigenen Angaben bis Ende Juni.

Das ist den Großaktionären Sonera und Telefonica offenbar zu wenig. Der Aufsichtsrat des Konsortiums Group 3G beschloss, die Geschäfte einzustellen, wie Sonera am Donnerstag in Helsinki mitteilte. "Die Geschäftsstrategie ist nicht länger machbar", hieß es zur Begründung. Betroffen seien die seit sieben Monaten laufenden GSM/GPRS-Aktivitäten.

Sonera und Telefonica betreiben in Deutschland gemeinsam die Münchener Gesellschaft Quam. Die Finnen halten 42,8 Prozent an der Group 3G. Am Vortag hatte bereits der spanische 3G-Partner Telefonica Moviles den Rückzug aus den deutschen Mobilfunk-Aktivitäten angekündigt.

Für Branchenexperten wäre das Aus von Quam keine Überraschung. Für Telefonica könnte es billiger sein, die gemeinsam mit Sonera erworbene deutsche UMTS-Mobilfunklizenz zurückzugeben, sagte der Mobilfunkexperte der Gartner Group, Jason Chapman, am Mittwochabend. "Es hängt davon ab, was es kostet, die in Verbindung mit der Erteilung der Lizenz verbundenen Auflagen zu erfüllen." Group 3G sei angesichts des schlechten Marktumfelds offenbar nicht mehr bereit, das Engagement fortzusetzen.

Group 3G hatte im August 2000 neben der Telekom, Vodafone, E-Plus, Viag Interkom und MobilCom für mehr als acht Milliarden Euro eine UMTS-Lizenz ersteigert.

Bereits damals hatten sich Branchenanalysten skeptisch zu den Erfolgsaussichten des Neueinsteigers auf dem deutschen Mobilfunkmarkt geäußert. Für den Telekomexperten von Forrester Research, Lars Godell, hatte das Geschäftsmodell von Quam von vornherein nicht viel Aussicht auf Erfolg. "Gerade in einem gesättigten Markt sind die Kosten für Kundenbindung und Kundenneugewinnung hoch." Es gebe einfach nur 385 Millionen potenzielle Mobilfunkkunden in Westeuropa. Von daher seien die Wachstumsaussichten beschränkt.

Sollten die Auflagen zum Netzaufbau nicht erfüllt werden, bleibt Quam nach Einschätzung von Chapman nur die Fusion mit einem Wettbewerber, der noch keine UMTS-Lizenz besitzt, oder die Rückgabe der UMTS-Lizenz. Das Ergebnis ist für den Gartner-Experten bereits vorhersehbar: "Ich wüsste nicht, wer Quam kaufen sollte", sagte Chapman. "Es ist ein bisschen schwierig, den Nutzen einer solchen Übernahme für den Käufer zu erkennen."



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