Quartalsbericht Amazon enttäuscht trotz hoher Gewinne

Amazon.com hat mit seinen Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2004 die Markterwartungen verfehlt. Und das, obwohl der weltweit größte Internet-Einzelhändler dank eines starken Weihnachtsgeschäfts und günstiger Wechselkurseffekte seinen Gewinn fast verfünffachen konnte. Die Aktie brach im nachbörslichen Handel ein.


Gewinn verfünffacht: Amazon.com

Gewinn verfünffacht: Amazon.com

San Francisco - Wie das Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte, stieg der Gewinn pro Aktie auf Proforma-Basis zwar von 29 US-Cent auf 93 US-Cent. Rechne man die Auflösung von Steuerrückstellungen heraus, blieben allerdings lediglich 35 Cent übrig. Die von Thomson First Call befragten Analysten hatten im Schnitt mit 40 Cent gerechnet. Nach Sonderposten habe sich der Gewinn pro Aktie annähernd verfünffacht - von 17 auf 82 Cent.

Der Netto-Umsatz kletterte auf 2,54 Milliarden Dollar von 1,95 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der schwache Dollar erhöht die in Dollar umgerechneten Erlöse, die US-Unternehmen im Ausland erzielen. Amazon-Aktien brachen am Mittwoch im nachbörslichen Handel um 12,61 Prozent auf 36,60 US-Dollar ein.

Wie auch andere Online-Händler profitierte Amazon.com von der starken Nachfrage nach MP3-Abspielgeräten, Digitalkameras und anderen Unterhaltungselektronikgeräten. In diesem Segment sei der Umsatz um 53 Prozent gestiegen. 24 Prozent des Gesamtumsatzes wurden damit erwirtschaftet.

Trotz wachsender Kritik von Analysten am oft kostenlosen Versand der Ware, stellte das Unternehmen mit "Amazon Prime" ein neues Angebot vor, mit dem US-Kunden die Versandkosten drücken können. Für 79 Dollar im Jahr sollen sie sämtliche Artikel ohne Mindestbestellwert versandkostenfrei innerhalb von zwei Tagen geliefert bekommen.

Für 2005 bis zu 8,65 Milliarden Dollar Umsatz erwartet

Für das laufende erste Geschäftsquartal stellte Amazon.com den Anlegern einen Umsatz zwischen 1,80 Milliarden und 1,95 Milliarden Dollar in Aussicht. Das entspreche im Vorjahresvergleich einem Umsatzwachstum von 18 bis 27 Prozent. Analysten hatten im Schnitt 1,846 Milliarden Dollar erwartet.

Der operative Gewinn soll zwischen 80 Millionen und 110 Millionen Dollar liegen. Im Vorjahresvergleich entspreche das einem Rückgang von bis zu 28 Prozent. Bestenfalls werde ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht. Dem liege die Annahme zugrunde, dass das Unternehmen seine Rechnungslegung ab dem 1. Januar umstellen wird.

Für das Gesamtjahr rechnet das Internet-Unternehmen mit 8,05 Milliarden bis 8,65 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspreche im Vorjahresvergleich einem Umsatzwachstum von 16 bis 25 Prozent. Der operative Gewinn soll zwischen 385 Millionen und 510 Millionen Dollar liegen. Im Vorjahresvergleich entspreche das einem Wachstum von bis zu 16 Prozent oder einem Rückgang von bis zu 13 Prozent.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, wird es am 7. März 200 Millionen Euro einer im Jahr 2010 fälligen ausstehenden nachrangigen Wandelanleihe vorzeitig tilgen.



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