Quartalsbericht Delivery Hero meldet Verlust trotz Bestellrekords

Dax-Neuling Delivery Hero hat während der Corona-Pandemie so viele Aufträge bekommen wie noch nie. Der Essenskurier hat nur ein Problem: Das laufende Geschäft deckt die Kosten nicht.
Delivery-Hero-Zentrale in Berlin: Tief in den roten Zahlen

Delivery-Hero-Zentrale in Berlin: Tief in den roten Zahlen

Foto: Hayoung Jeon / Shutterstock / EPA-EFE

Der Bestellrekord während der Corona-Pandemie hat dem Essenslieferdienst Delivery Hero tiefrote Zahlen eingebrockt. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr ein Verlust von rund 443 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie das seit dieser Woche im Dax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Berlin mitteilte.

An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Kurz nach Handelsstart verlor die Delivery-Hero-Aktie 1,55 Prozent auf 93,84 Euro und war damit Schlusslicht im Dax. Die Regionen, in denen die neue Delivery-Tochter Instashop aktiv sei, hätten ein großes Wachstumspotenzial, merkte ein Aktienhändler an. Strategisch erscheine der Zukauf sinnvoll. Allerdings könnten Anleger den Kaufpreis als zu hoch erachten.

Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie von Delivery Hero rund ein Drittel an Wert gewonnen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich ihr Kurs mehr als verdoppelt. Inzwischen wird der Lieferdienst an der Börse mit rund 19 Milliarden Euro bewertet. Die Beschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie machten dem Unternehmen zwar auch finanziell zu schaffen, auf der anderen Seite bestellten die Kunden auf den Portalen des Konzerns so viele Mahlzeiten wie nie zuvor.

So wuchs der Segmentumsatz des Unternehmens - wie bereits vorab berichtet - dank des Bestellbooms in der Coronakrise im ersten Halbjahr um rund 94 Prozent auf fast 1,13 Milliarden Euro. Das Management erwartet, dass das Geschäftswachstum im zweiten Halbjahr weitergeht. Vorstandschef Niklas Östberg hatte seine Umsatzprognose für 2020 daher bereits Ende Juli auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro angehoben.

Expansion geht weiter

Allerdings schreibt das 2011 gegründete Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Das gilt nicht nur für das laufende Geschäft, sondern auch für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten (bereinigtes Ebitda). Dieses dürfte im laufenden Jahr bei minus 14 bis minus 18 Prozent des Umsatzes liegen. Das bedeutet: Je höher die Erlöse, desto höher der absolute operative Verlust.

Dessen ungeachtet hat Delivery Hero inzwischen den Einzug in den deutschen Leitindex Dax geschafft. Dort nahm das Unternehmen den Platz des Zahlungsabwicklers Wirecard ein, der infolge eines milliardenschweren Bilanzskandals in die Pleite gestürzt war.

Delivery Hero betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Das Unternehmen vermittelt Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Das meiste Geld stammt aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

Sein deutsches Geschäft (Foodora, Lieferheld, Pizza.de) hatte Delivery Hero im vergangenen Jahr an den damaligen niederländischen Konkurrenten Takeaway.com - heute Just Eat Takeaway (Lieferando) - verkauft. Derzeit sind die Berliner vor allem auf Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika stark vertreten.

mik/dpa
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