Quartalsbilanz Citigroup übertrifft Erwartungen

Die angeschlagene US-Großbank Citigroup hat das vergangene Quartal besser absolviert als erwartet - auch wenn erneut ein Verlust von knapp einer Milliarde anfiel. Anleger werten die vierte Positivmeldung von US-Banken bereits als Anzeichen für eine allmähliche Erholung.


New York - Der Sprung nach vorn ist deutlich, auch wenn das Minus hoch ausfiel: 966 Millionen Dollar betrug der Verlust der Citigroup im vergangenen Quartal, wie das Institut am Freitag mitteilte - und fiel damit deutlich geringer aus als das 5,2-Milliarden-Minus im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Citigroup-Zentrale: Positive Reaktion der Anleger
AP

Citigroup-Zentrale: Positive Reaktion der Anleger

Das aktuelle Minus entsprach einem Verlust von 0,18 Dollar je Aktie, Analysten hatten nach einer Reuters-Umfrage ein Minus von 0,30 Dollar erwartet. Die Einnahmen verdoppelten sich auf 24,8 Milliarden Dollar und übertrafen damit gleichfalls die Marktprognosen, die bei 21,7 Milliarden Dollar lagen.

Die Citigroup verbuchte in den drei Monaten Netto-Abschreibungen und Verluste aus dem Geschäft mit institutionellen Anlegern im Umfang von 2,2 Milliarden Dollar. Weitere 7,3 Milliarden Dollar gingen im Kreditgeschäft verloren. Die Bank stellt nun 2,7 Milliarden Dollar für weitere Darlehensverluste zurück. Die Kernkapitalquote liegt den Angaben zufolge inzwischen bei etwa 11,8 Prozent nach 7,7 Prozent im Vorjahr.

Das überraschend positive Ergebnis wurde in einer ersten Reaktion an den Börsen gut aufgenommen: Die Aktie baute nach der Vorlage der Zahlen ihre vorbörslichen Kursgewinne auf ein Plus von zwölf Prozent aus.

Die Citigroup ist bereits die vierte US-Großbank, die bei den aktuellen Quartalszahlen deutlich besser abschneidet als vom Markt erwartet. Vergangene Woche hatte Wells Fargo die Investoren mit einem Rekordgewinn von drei Milliarden Dollar überrascht. Am Dienstag hatte Goldman Sachs Chart zeigen in den anhaltenden Finanzmarkt-Turbulenzen mit positiven Quartalszahlen für vorsichtige Zuversicht gesorgt. Und am Donnerstag legte JP Morgan Chase gute Werte vor.

JP Morgan Chase galt allerdings schon vorher als eines der stabilsten US-Institute in der Finanzkrise. Im vergangenen Jahr kaufte der Konzern den Großteil der zusammengebrochenen, ehemals führenden US-Sparkasse Washington Mutual. Zuvor hatte JP Morgan Chase bereits die Investmentbank Bear Stearns zum Schnäppchenpreis übernommen

Anleger sehen die Vorlagen der Banken als Signal für den möglichen Start einer allmählichen Erholung der Branche in der nun schon fast zwei Jahre dauernden Finanzkrise.

Im vergangenen Jahr hatte die inzwischen teilverstaatlichte Citigroup noch einen Rekordverlust von fast 28 Milliarden Dollar eingefahren. Die enormen Hilfen und Garantien des Staates bei bisher schon drei Rettungsaktionen summieren sich auf fast 350 Milliarden Dollar. Der einst weltgrößte Finanzkonzern spaltet sich zu seiner Rettung gerade auf und will umfangreiche Bereiche verkaufen.

mik/Reuters/dpa



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