Quartalsergebnis Volkswagen überrascht mit Gewinnsprung

Volkswagen hat Gewinn und Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres deutlich gesteigert. Der Vorsteuergewinn nahm um knapp 60 Prozent zu. Beim Absatz erreichte der Wolfsburger Autobauer sogar das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte.


Wolfsburg - Personal runter, Absatz rauf: Volkswagen Chart zeigen fährt mit der klassischen Sanierungsstrategie aus der Krise. Im ersten Quartal steigerte der größte Autobauer Europas Umsatz und Gewinn deutlich, beschäftigte jedoch spürbar weniger Personal als noch vor einem Jahr. Der Umsatz stieg um 5,1 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kletterte auf mehr als das Doppelte, auf 740 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter wurde dagegen um 3,6 Prozent auf 336.000 weltweit gesenkt, wie VW heute in Wolfsburg überraschend einen Tag vor der Hauptversammlung mitteilte.

VW-Golf auf dem Fließband: Umsatz und Gewinn steigen, Mitarbeiterzahl sinkt
DPA

VW-Golf auf dem Fließband: Umsatz und Gewinn steigen, Mitarbeiterzahl sinkt

Schon gestern hatte VW einen kräftigen Absatzschub zu Jahresbeginn angezeigt: In den ersten drei Monaten des Jahres 2007 wurden mit 1,47 Millionen Stück mehr Autos ausgeliefert als je in einem Quartal zuvor. Der Zuwachs lag bei 7,9 Prozent.

Damit geht das Sanierungskonzept des früheren Konzernchefs Bernd Pischetsrieder auf: Im vergangenen Jahr hatte er zusammen mit dem inzwischen abgetretenen Markenvorstand Wolfgang Bernhard der IG Metall deutliche Zusatzbelastungen für die Mitarbeiter abgerungen. Gleichzeitig wurde ein Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm durchgezogen, das im Endeffekt 20.000 Arbeitsplätze kostet.

Die Wende hatte sich schon Anfang März angekündigt: Der neue Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn hob bei der Bilanzvorstellung die Gewinnprognose spürbar an. "Wir sind zuversichtlich, die Auslieferungen an Kunden 2007 leicht steigern zu können", erklärte er. Im Jahr 2008 werde das Ergebnis vor Steuern "mindestens 5,1 Milliarden Euro betragen". Winterkorn sagte damals erstmals, dass ein Überschreiten der bis dahin gültigen Gewinnmarke von 5,1 Milliarden Euro möglich sei. Morgen werden auf der Hauptversammlung in Hamburg weitere Einzelheiten zur Gewinnentwicklung erwartet.

30 statt 50 Stunden Montagezeit für den Golf

Der kräftige Gewinnschub soll vor allem aus der Sanierung der Marke Volkswagen kommen, deren deutsche Werke nun deutlich besser ausgelastet werden. Dadurch sinken die Stückkosten. Das Stammwerk Wolfsburg soll bis 2008 eine Auslastung von 90 Prozent erreichen.

Die Montagezeit in Wolfsburg für den Golf ist schon von rund 50 auf 30 Stunden gefallen. Außerdem bringt der Konzern Ende 2008 einen runderneuerten Golf heraus, der den Absatz noch weiter ankurbeln soll.

Im Mittelpunkt der VW-Hauptversammlung steht allerdings die Wiederwahl von Milliardär Ferdinand Piëch zum Aufsichtsratschef. Der frühere VW-Vorstandsvorsitzende leitet seit 2002 den Aufsichtsrat und muss nach fünf Jahren zum ersten Mal von den Anteilseignern bestätigt werden. Die Wahl gilt als problemlos, weil die Hauptaktionäre Porsche und Niedersachsen Piëch unterstützen. Piëch ist Großaktionär bei Porsche.

So wird der 70 Jahre alte Piëch zunächst von allen Anteilseignern als einfaches Aufsichtsratsmitglied gewählt werden. Zur Wiederwahl für den Aufsichtsrat stellen sich außerdem TUI-Chef Michael Frenzel und der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Roland Oetker. Nach der Hauptversammlung kommt der Aufsichtsrat mit den neuen Mitgliedern zusammen und wählt einen Vorsitzenden. Die Wahl von Piëch bis 2012 gilt als sicher, weil ihn auch die Arbeitnehmerbank unterstützt.

Claus-Peter Tiemann, AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.