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17. Oktober 2008, 07:43 Uhr

Quartalsgewinn

Google-Gründer jubelt über Krisenzeiten

"Meine Lieblingszeiten sind Pleitezeiten": Google-Gründer Sergey Brin freut sich über die aktuelle Finanzkrise. Der Konzern steigerte sein Geschäft im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahr viel stärker als erwartet - der Gewinn stieg um 26 Prozent, der Umsatz um 31 Prozent.

San Francisco/Mountain View - Google-Gründer Sergey Brin erwartet, dass sein Unternehmen gestärkt aus der Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgehen wird. "Meine Lieblingszeit als Manager sind Pleitezeiten", sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Das bringt mehr Klarheit, was die Kunden wirklich wollen und wo die Prioritäten liegen sollten."

Google-Vordenker Brin (l., mit Co-Gründer Larry Page): Krisen bringen Klarheit
Getty Images

Google-Vordenker Brin (l., mit Co-Gründer Larry Page): Krisen bringen Klarheit

Zumindest im vierten Quartal machte Google klar, dass die weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten das Geschäft nicht maßgeblich beeinträchtigt haben. In den vergangenen drei Monaten erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 1,35 Milliarden Dollar - 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz, insbesondere mit Online-Werbung für die Suchmaschine Google, stieg um 31 Prozent auf 5,54 Milliarden Dollar. Nach Abzug von Kommissionszahlungen blieben noch vier Umsatzmilliarden übrig.

Mehr als die Hälfte seiner Umsätze erzielt Google mittlerweile außerhalb der USA. In Europa hat besonders Deutschland das Geschäft mit angetrieben.

Mit dem Quartalsergebnis übertraf Google die Analystenerwartungen klar. Die Aktie legte nachbörslich um zehn Prozent zu. Im Tagesverlauf hatte das Papier bereits 4,1 Prozent auf 353,02 Dollar gewonnen.

Trotz aller Euphorie gab sich Konzernchef Eric Schmidt im Vergleich zu Gründer Brin etwas zurückhaltender. In einer Telefonkonferenz am Donnerstagabend räumte er ein: "Die wirtschaftliche Lage ist so im Fluss, dass wir alle in unbekanntem Gelände unterwegs sind." Tatsächlich hat Google seit Jahresbeginn rund die Hälfte seines Börsenwerts verloren.

Wegen der Konjunkturkrise will Schmidt die Kosten daher "genau im Blick behalten". Bisher gilt der Konzern seinen Mitarbeitern gegenüber als sehr spendabel. Bei den Neueinstellungen trat Google zuletzt bereits auf die Bremse. In den vergangenen drei Monaten stieg die Beschäftigtenzahl etwas langsamer als bisher um gut 500 auf nun über 20.000.

Google dominiert weltweit den Markt für Internet-Suchanzeigen klar vor Yahoo und Microsoft. Erzrivale Microsoft wollte Googles Vormacht durch eine Übernahme von Yahoo brechen, scheiterte aber vor einigen Monaten. Yahoo will bei Online-Werbung nun teilweise mit Google kooperieren. Allerdings müssen die Kartellämter dem Vorhaben noch zustimmen.

suc/dpa/AP

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