Quartalssaison Ericsson überrascht mit rasantem Gewinnsprung

Der schwedische Mobilfunk-Ausrüster Ericsson macht wieder mit positiven Nachrichten von sich reden: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Gewinn um mehr als 80 Prozent. Doch selbst Finanzchef Karl-Henrik Sundstroem warnt vor zu großer Euphorie.


Ericsson-Hauptquartier: Grund genug zur Freude

Ericsson-Hauptquartier: Grund genug zur Freude

Stockholm - Die operative Marge, die im vergangenen Quartal auf 21 Prozent gestiegen war, werde sich in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren kaum auf diesem Niveau halten lassen, sagte Sundstroem heute bei einer Analystenkonferenz. Die Margen hätten im ersten Quartal von einem hohen Anteil an Software-Verkäufen profitiert. Der Anteil von Software an den Verkäufen werde zwar langfristig steigen, kurzfristig aber von Quartal zu Quartal Schwankungen unterworfen sein. Die Hardware dagegen, die sich gleichmäßiger verkaufe, habe geringere Gewinnspannen.

Trotzdem gab es Grund genug, sich über das erwirtschaftete Quartalsergebnis zu freuen. Umgerechnet 730 Millionen Euro blieben vor Steuern übrig. Beim Überschuss gab es ein Plus von 73 Prozent auf 500 Millionen Euro. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro. Konzernchef Carl-Henric Svanberg sagte in Stockholm: "Dieses Wachstum hat uns selbst überrascht."

Die Ericsson-Aktien stiegen in Stockholm nach Bekanntgabe der Quartalsbilanz um 4,3 Prozent auf 21,70 Kronen (2,37 Euro). Am Vortag hatten auch Nokia-Kurse deutlich angezogen, nachdem der finnische Handy-Marktführer ebenfalls eine überraschend positive Zwischenbilanz nach dem Jahresauftakt vorgelegt hatte.

Während Nokia einen Rückgang der Marktanteile von 34 auf 32 Prozent bei Handys melden musste, konnte Svanberg einen Zuwachs bei Ericssons ähnlich klarer Führung auf dem Markt für Mobilfunk-Infrastruktur melden. Man habe um zwei bis drei Prozentpunkte zugelegt, sagte der Schwede und bezifferte die eigenen Marktanteile auf 30 Prozent insgesamt und 35 Prozent bei den nach wie vor dominierenden GSM-Netzen.

Ericsson rechne auch für den weiteren Jahresverlauf mit einem Wachstum über dem Branchendurchschnitt von drei bis fünf Prozent. Vor allem in China, aber auch in Nordamerika würden im zweiten Quartal Investitionen in neue Handynetze Fahrt aufnehmen, erklärte Svanberg. In Westeuropa dagegen werde das Plus von 26 Prozent aus den ersten drei Monaten nicht wieder erreicht werden.

Ericsson hatte nach mehreren Jahren mit Milliarden-Verlusten die Fertigung von Handys in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sony ausgelagert und sich ganz auf Handynetze konzentriert. Die Beschäftigtenzahl reduzierte der größte schwedische Industriekonzern dabei von über 100.000 auf derzeit etwa 60.000. Der Handy-Hersteller Sony Ericsson, der den beiden Unternehmen je zur Hälfte gehört, meldete für das erste Quartal vor einer Woche einen Gewinneinbruch von 82 auf 32 Millionen Euro.



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