Quelle-Rettung Seehofer beruft Krisensitzung ein

Die Zeit drängt: Der Versandhändler Quelle braucht sofort mehrere Millionen, um sein Überleben zu sichern. Sogar der Druck des Winterkatalogs ist gefährdet. Jetzt beruft Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer eine Sonder-Kabinettssitzung ein.

München - Der Druck des Quelle-Winterkatalogs wird zur Chefsache: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat im Eilverfahren eine Sondersitzung seines Kabinetts einberufen. Er will noch am Donnerstagabend ausloten, wie das insolvente Versandhandelshaus an dringend benötigtes Geld für den Druck des neuen Quelle-Verkaufskatalogs kommt.

Quelle-Versandhaus: 50 Millionen Euro Finanzierungsbedarf

Quelle-Versandhaus: 50 Millionen Euro Finanzierungsbedarf

Foto: Eckehard Schulz/ AP

Nach Angaben aus Regierungskreisen braucht das Fürther Unternehmen zwischen 20 und 50 Millionen Euro für den Druck des Katalogs. Das Verkaufsheft ist von zentraler Bedeutung für das Geschäft des Versandhauses. Nach Angaben von Insidern habe Quelle den Druckauftrag bereits in dieser Woche vergeben wollen. Wegen der Insolvenz des Mutterhauses Arcandor ist das nun nicht mehr möglich.

Der Druckauftrag müsse aber bis spätestens Anfang nächster Woche vorliegen. Sonst drohe Schlimmeres. "Wir wollen alle Möglichkeiten ausloten, um die Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Seehofer.

Bei der Kabinettssitzung soll erörtert werden, ob eine Bürgschaft oder ein Kredit notwendig ist. "Das wird fieberhaft beraten", sagte Seehofer. Derzeit laufen auch Gespräche mit mehreren Banken.

Auch von anderer Seite bahnt sich Hilfe für das Versandhandelshaus an. So soll über eine staatliche Millionenhilfe für Quelle vielleicht noch in dieser Woche entschieden werden. "Der Bürgschaftsausschuss wird vor dem Wochenende noch einmal tagen", erfuhr Reuters von einer Person, die mit dem Thema vertraut ist.

Der Ausschuss sollte dann über einen staatlichen Massekredit von 50 Millionen Euro für Quelle befinden. "Das wäre eine Rettungsbeihilfe", ergänzte die Person. Und die bedürfe der Zustimmung der EU-Kommission.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte gerade erst erklärt, im Ringen um die Zukunft von Arcandor gelte derzeit die höchste Priorität der Absicherung von Quelle. Quelle hat einen kurzfristigen Finanzierungsbedarf von rund 50 Millionen Euro, um seinen Geschäftsbetrieb aufrechterhalten zu können.

Wettbewerber Otto sieht dagegen keine Zukunftsperspektive mehr für Quelle. "Wir glauben nicht, dass eine Sanierung erfolgreich möglich wäre", sagte Otto-Vorstandschef Hans-Otto Schrader am Donnerstag.

Anderen Teilen des Pleite-Konzerns Arcandor räumt Schrader jedoch Chancen ein. "Wir haben Interesse an Teilen der Primondo Specialty Group", sagte Schrader in Hamburg. An welchen Firmen Otto noch interessiert ist, ließ er aber offen. Falls man vom Insolvenzverwalter von Arcandor angesprochen würde, würde Otto dies näher erläutern.

yes/dpa/Reuters
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