Radikale Umwelt-Ziele Strom soll zur Hälfte grün werden

Zwei Tage nach dem Energiegipfel macht die Bundesregierung beim Klimaschutz ernst: Laut Umweltminister Gabriel wird die Windkraft deutlich stärker gefördert als bisher. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil auf fast 50 Prozent steigen.


Berlin - Vor zwei Tagen sah noch alles nach einem Sieg der Atom-Lobby aus: Auf dem Energiegipfel im Kanzleramt priesen Union und Wirtschaft die Kernkraft als günstige und klimaneutrale Energiequelle. Doch nun legt Umweltminister Sigmar Gabriel nach: Mit radikalen Umwelt-Zielen will der Sozialdemokrat die Energiewende auch ohne Atomstrom schaffen.

Windräder in Sachsen-Anhalt: Mehr Geld für Anlagenbetreiber
AP

Windräder in Sachsen-Anhalt: Mehr Geld für Anlagenbetreiber

In Berlin kündigte Gabriel heute an, dass die Bundesregierung den Ökostrom-Anteil bis zum Jahr 2030 auf 45 Prozent ausbauen werde. Bis 2020 soll der Anteil auf über 27 Prozent steigen. Im Vergleich zu allen früheren Prognosen ist das Ziel sehr ambitioniert: Bisher ging die Regierung für das Jahr 2020 von einem Öko-Strom-Anteil von 20 Prozent aus. Zum Vergleich: Heute machen Sonne, Wind und Biomasse rund zwölf Prozent an der deutschen Stromproduktion aus.

Das neue Ziel der Bundesregierung gab Gabriel bei der Vorstellung eines Erfahrungsberichts zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bekannt. Das Gesetz schreibt feste Vergütungssätze für Strom aus Sonne, Wind und Biomasse vor. Die Differenz zum niedrigeren Marktpreis finanzieren die Verbraucher über ihre Stromrechnung. Gabriel bezeichnete das EEG als eine Erfolgsgeschichte, die fortgeschrieben werden müsse.

Um die neuen, ehrgeizigen Ziele zu erreichen, schlug der Minister eine Reihe von Änderungen am EEG vor, die ab 2009 in Kraft treten können. Demnach soll die Vergütung für Windstrom aus Anlagen auf hoher See um gut ein Drittel auf bis zu 14 Cent pro Kilowattstunde angehoben werden. "Wir brauchen einen Durchbruch bei der Offshore-Windenergie", sagte Gabriel.

Auch an Land soll es für die Betreiber von Windrädern günstigere Förderbedingungen geben. Hier soll die Vergütung langsamer sinken als bisher geplant. Statt zwei Prozent Degression ist nun nur ein Prozent geplant.

Bei Solaranlagen hingegen sprach sich Gabriel für eine geringere Förderung aus. Bisher sinken die garantierten Abnahmepreise für Sonnenstrom jährlich um fünf Prozent. Nun seien sieben Prozent geplant, ab 2011 sollen es sogar acht Prozent werden. Die Solarindustrie war in letzter Zeit immer wieder in die Kritik geraten, weil sie trotz enormer Gewinne mengenmäßig kaum zur Stromerzeugung in Deutschland beiträgt. Mit Abstand am meisten Öko-Strom wird aus Windkraft gewonnen.

Gabriel erklärte, dass die neuen Klimaschutzziele mit Hilfe der Änderungen am EEG erreicht werden könnten. Darüber hinaus könnten die erneuerbaren Energien auch die Atomkraft ersetzen.

wal/Reuters/dpa-AFX



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Gabri, 21.02.2007
1.
Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07). Diese Zahl bezieht sich auf die Stromerzeugung, die Wärmebereitstellung sowie die Kraftstoffe. Seit 1998 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, was über diesen doch recht langen Zeitraum allerdings erschreckend wenig ist. Die höchsten Zuwächse finden sich absolut in der Stromerzeugung (insbesondere Windkraft und Solarenergie), relativ gesehen in der Kraftstofferzeugung Biodiesel, Pflanzenöl und Ethanol). Realistische Vorstellungen gehen dahin, bis 2020 25 bis 30 % der Stromversorgung mit erneuerbaren Energien abzudecken, bis 2050 will man die Hälfte des Primärenergiebedarfs aus regenerativen Quellen decken. So weit so gut. Das bedeutet aber auch, dass selbst bei diesen sehr optimistischen Schätzungen Deutschland wohl kaum eine Vollversorgung erreichen kann und infolge dessen stets auf Importe angewiesen sein wird, egal ob es sich um bis dahin vermutlich knapp gewordenes Erdöl/Erdgas, Atomstrom oder regenerative Energien aus Ländern mit besseren Ressourcen, Flächen, Solarausbeute, Wasserkraft o.ä. handelt. Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese dann zu exportieren und gegen Energien einzutauschen. Länder wie Spanien mit diesen riesigen Dürregebieten eignen sich nun mal weitaus besser für Photovoltaik als die Norddeutsche Tiefebene und die Alpenregionen bieten bessere Möglichkeiten für Wasserkraft. Offshore-Windanlagen sind dagegen eine gute Option für Deutschland, ebenso aufgrund der Mehrheit der Böden dezentrale Geothermie-Anlagen für den einheimischen privaten und öffentlichen Wärmegewinn. Vorsichtig wäre ich dagegen bei dem verstärkten Einsatz von Holz (Pellets). Ein relativ waldarmes Land wie Deutschland kann hier im Verhältnis zu Skandinavien nur beschränkt punkten. Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit dem möglichen Ziel der energetischen Unabhängigkeit. Diese wird in Deutschland nicht erreichbar sein ohne den Nachteil der Unwirtschaftlichkeit. Zum Ausbau regenerativer Energien würde ich ein klares Ja sagen, aber immer mit der Einschränkung, dass wir nicht den Ausbau jeder Energiequelle unbedingt fördern sollten, dieses nur im Verbund mit den europäischen Nachbarn.
17 Träume, 21.02.2007
2. Alles was geht ! Ökostrom sofort !
---Zitat von Gabri--- Im Jahr 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland 6.6% (BMU-Bericht 01/07)... Unter diesen Umständen wäre eine genaue Kosten/Nutzenanalyse der heimischen Möglichkeiten wichtig. Zum Beispiel die Frage, welche regenerativen Energien ausgebaut werden sollten und welche besser auch in Zukunft besser importiert werden. Beispielsweise gehören die deutschen Böden zu den fruchtbarsten der Welt und es wäre ernsthaft zu überlegen, ob man sie z.B. für den Rapsanbau vergeuden sollte und sich stattdessen nicht besser auf die Produktion hochwertiger Lebensmittel konzentrieren sollte um diese.... ---Zitatende--- Ökostrom ist ja ein kleiner Teil bezogen auf die Primärenergieverbäuche Deutschlands, aber ein Anfang. Sie haben völlig Recht, daß eine Vollversorgung viel Schritte und Effizienzverbesserungen braucht. Es gibt bereits Studien, die auch unser Umweltminister kennt, welche z.B. Biogas klar präferiert (bis 2020 sind 10% Anteil geplant obwohl heute nur 1% Beitrag hieraus resultiert). Ebenso wie Kraftstoffe aus Biomasse (BtL statt Biodiesel) ist Biogas sehr umweltfreundlich in der Herstellung und in der Flächeneffizienz sowie Speicherfähigkeit und bietet hohe Nutzungsausbeuten aus vielfältigen pflanzlichen Rohstoffen. Hierzu gibt es im März eine Neujustierung durch die Politik, die auch eine Verbesserung von Wärmeeinsatz bzw. ein Wärmeinspeisegesetz erwarten lässt aufgrund der hohen Wirkungsgrade von Kraftwäremkopplungsanlagen, die Strom und Wärme gleichzeitig produzieren. ein ausführlicher Beitrag über die Energiemöglichkeiten http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=967925#post967925 eigene Ideen für politische Sofortrahmensetzungen http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=974921#post974921
aloa5, 21.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Die Energieversorgung in Deutschland ist in hohem Grad von Importen abhängig. Neben der klimaschädlichen Braunkohle und der hoch subventionierten Steinkohle sind die erneuerbaren Energien der einzige relevante heimische Energieträger. Sollten sie deshalb stärker ausgebaut werden - auch wenn das teuer ist? ---Zitatende--- Und wo bzw. wie viele Windkrafträder lassen sich aufstellen ? Begrenzt. Solaranlagen ? Nun - auf Dächern wird es bei derzeitigem Klimawechsel wohl immer interessanter. Neuere Häuser haben meisst welche auf dem Dach. Längerfristig kann dies vielleicht ein relevanter Faktor werden. Geht aber nur langsam vorwärts und hängt mit den Stückpreisen und unserem Wohlstand zusammen. Auto - keine wirkliche Lösung in Sicht. Wir können gar nicht ausreichend Raps u.ä. herstellen - auch wenn es mit Verknappung (und verteuerung) der Ressourcen (China,Indien) durchaus die landwirtschaftliche Beschäftigungsalternative sein kann (und lohnend dazu). [[Was machen eigentlich die arabischen Ölstaaten mit Ihrem Geld, wenn das Öl (die Geldquelle) versiegt ist ? (habe ich mich schon immer gefragt.... Krieg? Oder werden dort Solaranlagen aufgebaut und wir so versorgt ? ) ]] Ich finde, man muss dies nicht auf biegen und brechen fördern. Mit der Winkraft wird viel Subventionsbetrug mit Mafia-Ähnlichen Kartellen getrieben. Solaranlagen auf Dächern können durchaus helfen. Bei steigenden Rohstoff- und Strompreisen wird evtl. das ganze sogar im Verhältnis immer billiger. Etwas fördern: ja - erzwingen: nein. Wenn es sich wirklich lohnt, dann kommt es später automatisch. Grüsse ALOA
17 Träume, 21.02.2007
4. 100% regenrativ ist machbar !
sagt auch Prof.Dr. Hohmeyer, der einen UN-Bericht über die sinnvollsten Maßnahmen weltweit verfassen wird bis 2010 im Auftrag der IPCC. http://www.innovations-report.de/html/berichte/energie_elektrotechnik/bericht-79206.html
17 Träume, 21.02.2007
5. Biogas bringt Strom oder Wärme
he nachdem man es ins Gasnetz einspeist um z.B Haushalte zu beheizen oder aber Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt. Das Potential von Biogas allein liegt laut einer aktuell veröffentlichten Studie europaweit bei + 100% Ersatz des Erdgasverbrauchs + 2 Mio Arbeitsplätze zusätzlich + Wertschöpfung von 63 Milliarden € + bereits bis 2020 Kyoto allein hierdurch zu erfüllen (10% zusätzliche CO²-Einsparung) + Zusatzeinkommen für Landwirte statt subventionierten Nahrungsmittelüberschüssen http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,4339566,00.html nicht genannter Nebeneffekt sind Speicherfähigkeit wie auch Grundlastfähigkeit, ökologischer Kreislauf möglich durch Wiederausbringung von Restkompost auf die Fläche. Das heißt sehr effizient ließen sich 25% des Primärenergieverbrauchs (ohne zusätzliche Einsparungen) bis 2020 decken. Biogas nach vorn !
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