Radikalkur Tchibo schließt 100 Filialen

Fit für den Markt dank Radikalkur: Der Handelskonzern Tchibo will wegen der harten Konkurrenz von Discountern wie Lidl und Aldi jede zehnte Filiale schließen. Hunderte Stellen sollen abgebaut werden, befristete Verträge auslaufen.


Frankfurt - Zahlreiche Filialen werden auf den Prüfstand gestellt: Der Handelskonzern Tchibo plant einem Bericht der "Welt" zufolge, rund 100 Filialen aufzugeben. Welche genau, sei noch unklar. Demnach will der Kaffeeröster zudem zwischen 200 und 300 Stellen abbauen und mehrere Hundert befristete Verträge auslaufen lassen.

Tchibo-Kaffeebohnen: Einstellungsstopp seit Mitte 2007
DDP

Tchibo-Kaffeebohnen: Einstellungsstopp seit Mitte 2007

"Konkrete Pläne für einen Stellenabbau gibt es derzeit nicht", widersprach der Konzern dem Zeitungsbericht. Allein durch den Einstellungsstopp, der Mitte 2007 verhängt worden war, würden zahlreiche Stellen gespart. Bei Tchibo arbeiten rund 13.000 Beschäftigte, davon rund 9000 in Deutschland.

Tchibo macht bereits seit geraumer Zeit der aggressive Wettbewerb im Geschäft mit Gebrauchsartikel zu schaffen. Das Unternehmen war vielfach auf Teilen seines wöchentlich wechselnden Angebots sitzen geblieben und hatte daraufhin im vergangenen Jahr bereits die Sanierung der Sparte eingeleitet.

Der "Welt" zufolge sind der Ausbau des Kaffeegeschäfts oder gar eigene Coffeeshops nach dem Vorbild von Starbucks nicht mehr geplant. "Der Markt ist gesättigt", zitierte das Blatt einen Konzernmanager. Ferner wolle Tchibo die Zahl der Verkaufsdepots im Einzelhandel kräftig ausdünnen. Mehrere Tausende, etwa in Supermärkten oder Bäckereien, stünden dabei zur Disposition.

"Die Situation ist unbefriedigend. Tchibo wird auf Umsatz verzichten, um die Margen wieder hochzubringen", sagte eine mit dem Konzern vertraute Person der "Welt". Statt der zuletzt knapp vier Milliarden Euro Umsatz stelle sich der Handelskonzern künftig auf etwa drei Milliarden Euro ein. Das Management habe die Vorgabe, bis zum Jahr 2010 die Rendite vor Steuern von derzeit zwei Prozent auf mindestens fünf Prozent zu erhöhen. In den Umbau will Tchibo rund 100 Millionen Euro investieren.

sil/Reuters/dpa-AFX



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